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Mittwoch, 15. Oktober 2008

Bundeswehr - Werben an der Heimatfront




Lachende Kinder vor der Blauen Moschee in Mazar-i-Sharif, lächelnde Soldaten auf Patrouille, ein Afghane beim Brückenbau, der einen neuen orangefarbenen Bauarbeiterhelm trägt. So sieht der Afghanistan-Einsatz in einer Hochglanzbroschüre der Bundesregierung aus. Rechtzeitig zur Debatte hat diese eine Charmeoffensive samt Bildband und Info-CD gestartet, um für den Afghanistan-Einsatz zu werben. Die Umfrageergebnisse, die nahelegen, dass dieser inzwischen von zwei Dritteln der Bevölkerung abgelehnt wird, sind in Berlin registriert worden.

„Frieden und Entwicklung in Afghanistan - Sicherheit für uns“, lautet der Titel der Broschüre. Es klingt wie ein attraktives Tauschgeschäft. Wenn da nicht all die schlechten Nachrichten wären. So wollen viele Verheißungen des Einsatz-Werbeprospekts nicht so recht mit der Realität zusammenpassen. Hinter dem Slogan „Unser Einsatz zeigt Wirkung“ werden Schlagworte aufgeführt wie: „glaubwürdiger Staat, Demokratie und Bürgerrechte“ sowie „den Menschen geht es besser“. Die Heimatfront liest indes davon, die internationale Gemeinschaft beklage die wuchernde Korruption, im Parlament von Kabul säßen bekannte Kriegsverbrecher und große Teile der afghanischen Bevölkerung beklagten zivile Opfer, Menschenrechtsverletzungen und den schleppenden Wiederaufbau.

„In einer globalisierten Welt ist Afghanistan Nachbarschaft“

Es gibt Bundestagsabgeordnete, die sagen, sie würden lieber das Afghanistan-Konzept der Bundesregierung verteilen. Das sei schlüssig. Darüber, dass der Einsatz weiterzuführen sei, scheint derzeit noch Einigkeit in der Koalition zu herrschen. Auch darüber, dass die Außendarstellung des Einsatzes ein schwieriges Unterfangen ist. Wenn Regierungsmitglieder und Parlamentarier beklagen, die Presse komme immer nur auf die negativen Seiten zu sprechen, dann ist deutlich der Wunsch durchzuhören, die Presse möge doch in allen Berichten immer auch noch einmal die Zahl neuer Straßenkilometer und Mädchenschulen nennen.

Für Ruprecht Polenz (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, scheint der Sinn des Einsatzes einfach zu vermitteln zu sein: „In einer globalisierten Welt ist Afghanistan Nachbarschaft“, sagte er unlängst auf einer Informationsveranstaltung der Bundesregierung zum Afghanistan-Einsatz. Und er zitierte noch einmal den früheren Verteidigungsminister Struck (SPD), nach dessen bekanntem Ausspruch Deutschlands Sicherheit auch am Hindukusch verteidigt wird. Das gelte es offensiv zu vertreten, sagte Polenz. Der SPD-Außenpolitiker Niels Annen findet eine solche Argumentation „zu holzschnittartig“. Zwar sei der Sicherheitsaspekt wichtig, aber es sei nicht zwangsläufig erwiesen, dass ein Truppenabzug zu einer Verschlechterung der Sicherheitslage in Deutschland führe.

Starker Anti-Amerikanismus - in Deutschland

Vor allem geht es nach den Worten Annens darum, die deutsche Verantwortung gegenüber den Afghanen herauszustellen. „Wenn wir uns zurückziehen, was wird dann aus den Afghanen, die uns unterstützt haben?“, fragt er. Er weiß auch, dass ein Populist wie Lafontaine, der lauthals den Abzug fordert, es einfacher hat, zu den Bürgern durchzudringen. Annen ist länger durch Afghanistan gereist. Wenn er in seinem Wahlkreis für den Einsatz wirbt, dann schlägt ihm die Ablehnung des Afghanistan-Engagements oft mit großer Wucht entgegen.

Staunend nahm Annen zur Kenntnis, dass sich in der Debatte auch ein scharfer Antiamerikanismus Bahn bricht. Er ist ein energischer Kritiker der „rücksichtslosen Art, in der die Amerikaner ihren ,Anti-Terror-Krieg' in Afghanistan führen“. Aber die Ressentiments gegen Amerika hätten ihn „erschüttert“, sagt er. Unlängst hieß es in einem Zeitungsartikel, Annen, der als Außenpolitiker hoch hinaus wolle, winde sich in der Afghanistan-Frage und führe die Operation Wahrheit nicht zu Ende. „Wenn man sich beliebt machen und Karriere machen will, beschäftigt man sich derzeit besser mit anderen Themen als Afghanistan“, sagt Annen dazu.

„Das soll besser Herr Struck machen“

Ähnlichen Vorwürfen ist auch die Bundeskanzlerin ausgesetzt. Der Grünen-Politiker Kuhn sagte Mitte September im Bundestag: „Wir haben den Eindruck, dass Sie dieses Thema ganz verschämt und versteckt anfassen . . . Sie reden wenig darüber, ganz nach dem Muster: Das soll besser Herr Struck oder der Außenminister machen.“ Im Kanzleramt wird das freilich anders gesehen. Aber die Vermutung, die Kanzlerin fürchte einen neuen Friedenswahlkampf ähnlich dem von 2002, hält sich ebenso hartnäckig wie der Vorwurf, die Kanzlerin meide symbolträchtige Auftritte. „Die schmerzlichen Opfer sind nicht vergebens. Trotzdem: Wir brauchen Geduld und einen langen Atem“, heißt es in der Broschüre der Bundesregierung.

In Berlin deuten schon die Ersten an, dass das Parlament dem Druck der Öffentlichkeit womöglich nicht mehr über viele Jahre standhalten werde - und die Bundeswehr sei eben eine Parlamentsarmee.

Hier gibt es die Bumbeswehr Propaganda "Frieden und Entwicklung in Afghanistan – Sicherheit für uns": http://www.bundesregierung.de/Content/DE/__Anlagen/2008/09/2008-09-05-broschuere-afghanistan,property=publicationFile.pdf

Quelle: http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E96A068B5364E4507BD5FFB49579F00B4~ATpl~Ecommon~Scontent.html

http://www.bundesregierung.de/Content/DE/__Anlagen/2008/09/2008-09-05-broschuere-afghanistan,property=publicationFile.pdf

Dienstag, 14. Oktober 2008

Michail Saakaschwili: Ein Täter macht sich zum Opfer

Georgiens Überfall und das Märchen von der russischen Invasion (Teil 1).

Von KNUT MELLENTHIN, 13. Oktober 2008:

Am 7. Oktober hat das georgische Parlament einen Ausschuss gebildet, der „die Ereignisse vor und nach dem August-Krieg“ gegen Südossetien und Russland „studieren“ soll. Auf die Aufgabenstellung „Studieren“ – und nicht etwa „Untersuchen“! – hat die alleinregierende Nationalpartei von Präsident Michail Saakaschwili schon in der Vorbereitungsphase der Einsetzung des Ausschusses großen Wert gelegt. Der Begriff soll offenbar das von der Regierung gewünschte „konstruktive“ Herangehen an die heikle Problematik signalisieren. Der Ausschuss hat zehn Mitglieder: fünf aus den Reihen der Nationalpartei und ebenso viele Vertreter der politisch bedeutungslosen parlamentarischen Opposition, die auch den Ausschussvorsitzenden stellt.

Ein anderer Teil der Opposition boykottiert seit den ihrer Ansicht nach gefälschten, „illegalen“ Wahlen vom 21. Mai 2008 das Parlament; ihre zwölf Abgeordneten haben ihre Mandate nicht angenommen. Die Parteien der außerparlamentarischen Opposition betrachten die im Abgeordnetenhaus sitzenden Oppositionspolitiker als Überläufer und als „Satelliten“ der Nationalpartei. Die Bildung des „Studienausschusses“ zu den Kriegsursachen haben sie von vornherein mit Misstrauen kommentiert.

Tatsächlich ist von der Arbeit des Ausschusses kaum Gutes zu erwarten. Die georgische Opposition – ob nun innerhalb oder außerhalb des Parlaments – ist nicht weniger von engstirnigem und streitsüchtigem Nationalismus beherrscht als die Regierungspartei. Die Feststellung der Tatsache, dass Georgien in der Nacht vom 7. auf den 8. August Südossetien überfallen hat, um die seit 1991 abgespaltene Republik gewaltsam zurückzuerobern, liegt für fast das gesamte politische Spektrum des Landes außerhalb des Vorstellbaren. Die Opposition, die inzwischen auch langjährige Mitstreiter Saakaschwilis wie die im Januar zurückgetretene Parlamentspräsidentin Nino Burdschanadse umfasst, wird die Arbeit des Ausschusses voraussichtlich benutzen, um den Präsidenten maximal zu beschädigen und zu demontieren, gleichzeitig aber der Frage nach der Kriegsschuld Georgiens auszuweichen versuchen.

Für die Regierungspartei ist die Sache ohnehin klar. In den Worten des einflussreichen Abgeordneten Gigi Targamadse, der dem Ausschuss angehört: „Wer hat diesen Krieg begonnen? Diese Fragen stellen wir nicht. Der Krieg wurde vor 20 Jahren von Russland begonnen. (...) Aber viele Fehler wurden von den georgischen Führungsstellen begangen, einschließlich einer Unterschätzung des russischen Faktors.“ – So werde man sich beispielsweise mit dem Verhalten der Grenzpolizei während des Krieges kritisch befassen müssen. Deren Chef ist zufällig Badri Batsadse, der Ehemann von Nino Burdschanadse.

Auch die von europäischen Politikern befürwortete „internationale Untersuchung“, die angeblich die „Verantwortlichkeiten aller Personen und Behörden in Hinblick auf den August-Krieg“ untersuchen soll, kann zwangsläufig nicht aufklärend wirken, sofern sie überhaupt zustande kommt, was letztlich gar nicht sicher ist. Schließlich haben sich die europäischen Regierungen schon in den ersten Kriegstagen, wenn auch nicht ganz so irreparabel einseitig wie die US-Administration, auf eine Politik festgelegt, die Russland bestraft, während sie Georgien belohnt. Die härtesten Ausdrücke, die für den von Saakaschwili befohlenen Beschuss Tschinwalis mit Raketenwerfern und schwerer Artillerie zu vernehmen waren, lauteten „Fehlkalkulation“, „Fehler“ und „in eine russische Falle gegangen“.

Eine „internationale Untersuchung“ kann überhaupt nur den Zweck verfolgen, die Reaktionen der EU und der USA auf den Krieg nachträglich noch zu legitimieren. Wenn man Georgien in absehbarer Zeit in die NATO aufnehmen will, wird man sich selbstverständlich hüten, seinen Präsidenten als Aggressor und Hasardeur einzustufen, der alle Warnungen europäischer und US-amerikanischer Politik in den Wind geschlagen hat. Stattdessen wird man von der zentralen Frage der Kriegsschuld ablenken und die Vorgeschichte so vernebeln, dass man die Verantwortung schön gleichmäßig auf beide Seiten verteilen kann.


Luc Van den Brande

Der belgische Senator Luc Van den Brande, der übrigens dem christlichen Fundamentalismus zugeneigt ist, hatte im Kern das Abschlussergebnis schon parat, als er am 25. September bei einem Besuch in Tbilissi eine „internationale Untersuchung“ forderte: Es sei „absolut klar“, dass der Krieg nicht erst am 7. August begonnen habe, sondern in Wirklichkeit schon sehr viel früher, als es „zahlreiche Provokationen“ gegeben habe. Keine der Seiten habe etwas getan, um den Krieg oder die zum Krieg führende Eskalation der Lage zu vermeiden.

Etwas schärfer und deutlicher drückte sich William Burns, Staatssekretär für politische Angelegenheiten im US-Außenministerium, während einer Kongressanhörung am 17. September aus: „Die Ursachen dieses Konflikts – vor allem der Streit zwischen Georgien und seinen abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien – sind komplex, mit Fehlern und Fehlkalkulationen auf beiden Seiten. Aber die zentralen Tatsachen sind klar: Russlands verstärkter Druck und seine Provokationen gegen Georgien – zusammen mit einer ernsten georgischen Fehlkalkulation – haben nicht nur zu einem bewaffneten Konflikt geführt, sondern zu einem fortdauernden russischen Versuch, dieses Land aufzuteilen.“


Michail Saakaschwili

Saakaschwili will indessen nicht einmal die Vorwürfe “Fehler” und “Fehlkalkulation” gelten lassen. Sie seien eine „grobe Fehlinterpretation“ der georgischen Aktionen, denn Georgien habe auf eine „großangelegte Invasion“ der russischen Streitkräfte „reagieren“ müssen, die schon einen Tag vor den georgischen „Truppenbewegungen“ gegen Südossetien begonnen habe. Dafür gebe es „unwiderlegbare Beweise“. Die will Saakaschwili schon am 9. September den EU-Vertretern Nicolas Sarkozy, Jose Manuel Barroso und Javier Solana bei einem Besuch in Tbilissi übergeben haben. Es handele sich um „ganz starke Beweise, dass die Georgier auf eine großangelegte russische Invasion geantwortet haben, die schon vor dem Beginn der Feindseligkeiten eingesetzt hatte.“

Der georgische Präsident hat seine Version seither unzählige Male vorgetragen, zumeist der besseren Verständlichkeit wegen gleich auf englisch. Im Kern geht es um die Behauptung, dass er am späten Abend des 7. August benachrichtigt worden sei, dass russische Truppen und Kriegsmaterial durch den vier Kilometer langen Roki-Tunnel – die einzige Landverbindung zwischen Russland und Südossetien – in die abtrünnige Republik transportiert worden seien. Das einzige Mittel, die „Invasion“ aufzuhalten, habe darin bestanden , eine strategisch wichtige Brücke zu zerstören und die vom Tunnel nach Süden führende Straße zu beschießen. Zugleich habe man auf südossetisches Feuer antworten müssen, das unter anderem aus Stellungen in Tschinwali, darunter dem Regierungssitz und dem Verteidigungsministerium gekommen sei.

Erst fünf Wochen nach dem Krieg schob die Regierung in Tbilissi einen weiteren „ganz starken Beweis“ nach, dass dem georgischen Angriff auf Südossetien eine russische Invasion vorausgegangen sei. Ein abgehörtes Funkgespräch soll beweisen, dass der Transport von russischem Kriegsmaterial durch den Roki-Tunnel schon in den ganz frühen Morgenstunden des 7. August, 20 Stunden vor Beginn des georgischen Überfalls, begonnen hatte. Um die verspätete Präsentation dieses „Beweismaterials“ zu begründen, erklärte die georgische Regierung, dass die Bänder zunächst in den Kriegswirren verloren gegangen seien.

Anscheinend waren die Aufnahmen auch Saakaschwili nicht bekannt gewesen, als er ungefähr am 10. August, also am dritten Kriegstag, zu behaupten begann, er habe den Angriff auf Tschinwali – der am 7. August um ungefähr 23.30 Uhr Ortszeit begann – befohlen, nachdem er in den späten Abendstunden vom Beginn einer russischen „Invasion“ durch den Roki-Tunnel erfahren habe. In Wirklichkeit handelt es sich um ein Gestrüpp von Lügen, das an kindliche Ausreden erinnert.

Betrachten wir einige wesentliche Fakten zur Beurteilung der Vorgänge:

1. Die offizielle georgische Kriegserklärung, die gegen 0.30 Uhr Ortszeit am frühen 8. August gemeldet wurde, lautete kurz und knackig: „Die georgische Seite hat sich entschlossen, die verfassungsmäßige Ordnung in der gesamten Region wiederherzustellen.“ „Die Region Tschinwali“ ist die amtliche georgische Bezeichnung für Südossetien.

Kein Wort von einer russischen Invasion. In der Geschichte gibt es unzählig viele Fälle, wo ein Angriffskrieg als Abwehr einer Aggression dargestellt wurde. Aber vermutlich nicht einen einzigen Fall, wo jemand darauf verzichtet hätte, in seiner Kriegsbegründung eine tatsächliche feindliche Invasion überhaupt zu erwähnen. Bemerkenswert ist auch, dass Mamuka Kuraschwili, der Verantwortliche der vertragsgemäß in Südossetien stationierten Friedenstruppe, haargenau eine Formulierung wählte, die auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion wohl kaum jemanden unbekannt ist: „Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung“ waren Boris Jelzins Worte gewesen, als er am 11. Dezember 1994 Tschetschenien angreifen ließ.

2. Mehrere Stunden nach Beginn des Überfalls auf Südossetien, gegen 23.00 Uhr New Yorker Ortszeit, begann eine zunächst interne Beratung, ab 1.15 Uhr morgens offizielle Sitzung des UN-Sicherheitsrats. Einberufen worden war sie auf russischen, nicht auf georgischen Antrag. Auch dies wäre völlig unerklärlich, falls die georgische Führung sich in einer legitimen Verteidigungssituation gewähnt hätte. Während der Sitzung legte der georgische Vertreter Irakli Alasania ausführlich die Sicht seiner Regierung auf den Konflikt dar, sprach jedoch mit keinem Wort von einer russischen Invasion, die dem georgischen Angriff vorangegangen sei. Stattdessen sagte er: „Während wir hier sprechen, dringt ein großes Kontingent Militärpersonal mit Ausrüstung durch den Roki-Tunnel illegal auf Georgiens souveränes Territorium ein. Die zur Russischen Föderation gehörende Republik Nordossetien hat die Mobilisierung bewaffneter Söldner verkündet, die nach Georgien geschickt werden solle.“ An Russland richtete Alasania lediglich die Forderung, den „Transport bewaffneter Söldner nach Georgien“ – gemeint war immer Südossetien – zu verhindern. Zu diesem Zeitpunkt waren seit Beginn des georgischen Angriffs schon sieben bis acht Stunden vergangen. Mit „bewaffneten Söldnern“ waren die Freiwilligen aus Nordossetien und anderen Teilen des Kaukasus gemeint, die auf die Nachricht vom georgischen Überfall hin nach Südossetien geeilt waren.

Der UN-Sicherheitsrat war im Übrigen aufgrund der Obstruktion der USA nicht in der Lage, sich auf eine Resolution zu einigen, die Georgier und Südosseten gleichermaßen dazu aufrufen sollte, sofort alle Kampfhandlungen einzustellen. Der US-Vertreter Zalmay Khalilzad weigerte sich, der Aufforderung zuzustimmen, „auf die Anwendung von Gewalt zu verzichten“.

3. Am Nachmittag des 8. August um 16.20 Uhr Ortszeit trat der Sicherheitsrat erneut zusammen, um sich mit dem Krieg zu befassen. Diesmal sagte Alasania: „Heute Morgen hat Russland eine großangelegte Invasion Georgiens unternommen. (...) Um 5.30 Uhr drangen die ersten russischen Truppen durch den Roki-Tunnel nach Südossetien ein, passierten Java, überquerten die Gufta-Brücke“ (von der Saakaschwili am 25. August in einer Fernsehansprache behauptete, dass georgische Artillerie sie in den allerersten Kriegsstunden zerstört hätte - „und bewegten sich auf Tschinwali zu.“

Klare Aussage also: Die ersten russischen Truppen durchquerten den Tunnel sechs Stunden nach Beginn des georgischen Angriffs. Keine Rede davon, dass diesem Angriff eine russische Invasion vorausgegangen sei. Dieses Märchen wurde erst zwei Tage später erfunden, nachdem die militärischen Dinge für Georgien sehr unerfreulich gelaufen waren.

4. Auf der Website des georgischen Außenministeriums ist eine Timeline des Krieges zu finden, die im Vergleich zur Rede Alasanias eine bemerkenswerte Ergänzung enthält: „23.30: 100 russische Panzerfahrzeuge und russische Truppen dringen durch den Roki-Tunnel nach Georgien ein.“ Zu dem von Alasania für das erste Eindringen russischer Truppen genannten Zeitpunkt, 5.30 Uhr, heißt es nun in der Timeline leicht, aber doch entscheidend abweichend: „Zusätzliche russische Truppen dringen durch den Roki-Tunnel nach Georgien ein, passieren Java, überqueren die Gufta-Brücke und bewegen sich auf der Dsara-Straße Richtung Tschinwali.“

Die Timeline wirkt auf den ersten Blick, als wäre sie nachträglich zurechtgeflickt worden. Und tatsächlich: Die ursprüngliche Fassung enthielt den angeblichen russischen Einmarsch um 23.30 Uhr noch nicht, und der Eintrag zu 5.30 Uhr lautete: „Erste russische Truppen dringen durch den Roki-Tunnel nach Südossetien ein, passieren Java...“ usw.

5. Der Timeline auf der Website des georgischen Außenministers zufolge kamen georgische Dörfer in Südossetien erstmals am 8. August um 18.32 Uhr, also 19 Stunden nach Beginn des Angriffs auf Tschinwali, unter russisches Artilleriefeuer. Um 18.44 Uhr erreichten Einheiten der russischen 58. Armee den Stadtrand von Tschinwali. Um 20.30 Uhr begannen die georgischen Truppen, sich aus der Stadt zurückzuziehen.

Die Entfernung vom Roki-Tunnel bis Tschinwali beträgt kaum mehr als 100 Kilometer. Die erwähnte Timeline enthält – anders als spätere freihändige Erzählungen Saakaschwilis – keinen Hinweis, dass der russische Vormarsch durch georgische Verteidigungsmaßnahmen aufgehalten worden wäre. Die Daten der Timeline entsprechen insoweit auch genau dem Zeitablauf, der sich aus den Meldungen der Nachrichtenagentur Civil Georgia rekonstruieren lässt. Es ist ferner davon auszugehen, dass die russischen Einheiten, nachdem der Einsatzbefehl gegeben worden war, so schnell wie möglich auf Tschinwali vorstießen, denn dort waren schon seit vielen Stunden jeweils 500 Soldaten der russischen und nordossetischen Friedenstruppen von einer georgischen Übermacht eingeschlossen und bedrängt.

Schlussfolgerung: Die Durchquerung des Roki-Tunnels durch russische Truppen hat ganz sicher nicht am 7. August um 23.30 Uhr begonnen, und sie hat höchstwahrscheinlich auch später als zu dem zunächst genannten Zeitpunkt, 5.30 Uhr am Morgen des 8. August, begonnen. Der Ablauf der Ereignisse legt vielmehr nahe, dass die russische Regierung mit dem Beginn ihrer militärischen Hilfsaktion für das überfallene Südossetien bis zum späten Vormittag des 8. August gewartet hat – vielleicht in der trügerischen Hoffnung, den kriegerischen Konflikt unter Einschaltung des UN-Sicherheitsrats und mit Unterstützung der US-Regierung noch abwenden oder den Schaden so gering wie möglich halten zu können.

Quelle: http://www.hintergrund.de/content/view/281/63/

Donnerstag, 11. September 2008

ZDF Mystery - WTC 7, neue Naturgesetze und eine bahnbrechende ZDF-Recherche



WTC 7, neue Naturgesetze und eine bahnbrechende ZDF-Recherche

Zum 7. Jahrestag der Anschläge des 11.September hat das ZDF - in Co-Produktion mit der britischen BBC - das vermeintlich „letzte Rätsel“ des 11.September gelöst. [i]

Als dieses Rätsel gilt der Einsturz des WTC 7. Das World Trade Center 7 - ein 47-stöckiges, 174 Meter hohes Gebäude – stürzte sieben Stunden nach den Zwillings-Türmen ein. Ein Novum in der Geschichte: Noch nie zuvor war ein Stahl-Hochhaus aufgrund von Bränden eingestürzt. Insbesondere die Art und Weise des Einsturzes, die rapide Geschwindigkeit und Symmetrie, legen den Verdacht nahe, dass hier auf die eine oder andere Weise nachgeholfen wurde.

Auch die Exklusivität der Mieter nährt Verschwörungs-Theorien. Das Verteidigungs-Ministerium, der Secret Service, die CIA, die Steuerbehörde IRS und die Börsenaufsichtsbehörde SEC – sie alle hatten ihre Büros in dem Haus. Außerdem beherbergte das Gebäude die New Yorker Noteinsatz-Zentrale für Katastrophen und Terror-Anschläge, das Emergency Office Center (EOC), das zu einem Bunker mit kugelsicheren Fenstern und eigener Strom- und Luftzufuhr ausgebaut worden war und dem "Office of Emergency Management" (OEM) unterstellt ist.

Immer mehr Experten sind der Überzeugung, dass die offizielle Version – der Einsturz dieses Gebäudes infolge der Brandschäden - nicht stimmen kann. Allein in den USA haben sich mittlerweile mehr als 500 Architekten und Ingenieure in der Organisation "Architects and Engineers for 911 truth" zusammengeschlossen, um die Wahrheit herauszufinden. [ii]

Die ZDF-Redaktion History will genau das nun geschafft und das "letzte" Rätsel entschlüsselt haben. Verwiesen wird dabei auf den gerade kurz zuvor veröffentlichten Bericht des National Institut for Standard and Technology (NIST). [iii]

Danach ist die Ursache für den Einsturz ein "neues Phänomen": die "Thermale Expansion". Sie erzeugt durch die Hitze der Brände eine Ausdehnung von Stahlträgern und hätte damit zum ersten Mal in der Geschichte derartiger Bauwerke zum feuerbedingten Kollaps geführt. Dass Stahl sich bei Hitze ausdehnt, ist allgemein bekannt und wird selbstverständlich bei der Konstruktion von Gebäuden bedacht.

Die Stichhaltigkeit der NIST-These steht jedoch hier nicht auf dem Prüfstand, sondern die Frage, wie das ZDF diese These dem Publikum verkauft hat.

Zuerst einmal ist es dem Sender zugute zu halten, dass wesentliche Argumente von Anhängern einer Sprengungs-Theorie präsentiert werden. Statt der üblichen Stereotypen, die im Zusammenhang mit 9/11-Verschwörungs-Theorien verwendet werden (Elvis lebt!), kommt es zu einem Austausch der Argumente beider Seiten. Dies stellt für die Debatte sicherlich einen großen Fortschritt dar. Auch werden Verschwörungs-Theoretiker nicht – wie oft üblich – persönlich diffamiert. Doch die scheinbare Neutralität erweist sich als voreingenommen zugunsten des offiziell behaupteten Novums der „Thermalen Expansion“.

Wichtige Fakten werden den Zuschauern vorenthalten oder verdreht, an kritischen Stellen wird nicht nachgehakt und die Hintergründe wichtiger Akteure werden nicht näher beleuchtet.

Der verkehrte Zeuge

So ließ das ZDF im Gegensatz zu der Sendung der BBC gänzlich unerwähnt, warum das in der Sendung präsentierte Interview des „wichtigsten Zeugen“, Barry Jennings, so brisant ist: Jennings, ein Mitarbeiter der städtischen Hausverwaltung, berichtet darin nämlich, dass Explosionen im WTC 7 stattfanden, noch ehe die Zwillingstürme einstürzten. Nach offizieller Lesart haben aber gerade die herabstürzenden Trümmer die Schäden an Gebäude 7 verursacht.

Doch Jennings Interview wurde so zerstückelt, dass seine Aussage einen völlig anderen Sinn bekommt. Er berichtete von zwei Explosionen, die erste, als er sich im 5. Stock des WTC 7 befand, die zweite, nachdem er den 8. Stock erreichte. Das ZDF zeigt an dieser Stelle die Einstürze von dem Süd- und Nordturm und ordnet sie somit den von Jennings geschilderten Ereignissen zu.

Jennings hingegen machte in seinen Aussagen deutlich,[iv] dass sich die von ihm erlebten Explosionen vor dem Kollaps der Zwillingstürme zutrugen. Als der erste Turm einstürzte, hatte er sich bereits den Weg zu einem Fenster auf der Südseite des Gebäudes freigekämpft. Er schlug es ein und machte Feuerwehrleute auf sich aufmerksam. Sie kamen, um ihn zu retten, mussten aber abrupt abbrechen und wegrennen – der erste Turm stürzte gerade ein. Als sie sich anschließend ein zweites Mal zu Jennings vorwagten, mussten sie wiederum die Bergung aufgeben, der zweite Turm stürzte ein.

Erst beim dritten Versuch klappte seine Rettung. Nun muss man Jennings Aussage nicht als Beweis dafür nehmen, im Gebäude seien Sprengsätze platziert gewesen. Die Möglichkeit, dass die Explosionen andere Ursachen hatten oder das er sich in deren zeitlichem Ablauf irrt, ist nicht auszuschließen. Das ZDF hingegen stellt Jennings Aussagen auf den Kopf: Eine Aussage, die im Widerspruch zur offiziellen Version steht, wird in dem Film zu deren Unterstützung zurecht geschnitten.

Kein Bunker für alle Fälle

Auch ein anderer Aspekt von Jennings Aussage wirft ein verdächtiges Licht auf die Vorgänge im WTC 7. Als er den Noteinsatz-Bunker (EOC) in der 23. Etage betrat, war zu seinem Erstaunen niemand vor Ort. Er bekam einen Anruf mit der Order, sofort das Gebäude zu verlassen.

Strittig ist, wann genau das EOC geräumt wurde. Eines aber ist klar: Je früher die Evakuierung des EOC stattfand, desto früher lassen sich auch die von Jennings erlebten Explosionen verorten.

Richard Rotanz, Deputy Director des „Office of Emergency Management“ (OEM) behauptet, die EOC-Zentrale sei erst komplett nach der Attacke auf das Pentagon um 9.44 Uhr evakuiert worden. Auch NIST gibt diese Zeit an.[v] Nach dieser „Timeline“ hätte Jennings ein leeres EOC erst kurz vor dem Einsturz des Südturms um 9.59 Uhr antreffen können. Die von ihm geschilderten Explosionen ließen sich unter diesen Umständen mit den Einstürzen der Twin Tower verknüpfen. Doch die nähere Untersuchung ergibt, dass das EOC wesentlich früher geräumt wurde.

Bereits nach dem ersten Flugzeug-Einschlag ins World Trade Center begann die Evakuierung von WTC 7. Zwar verließen viele Menschen spontan das Gebäude, doch es war der Secret Service, der die sofortige Räumung in die Hand nahm.[vi] Beim Einschlag des zweiten Flugzeugs war die Evakuierung von WTC 7 beinahe abgeschlossen, nur das EOC im 23. Stockwerk war noch besetzt.[vii] Obwohl das EOC für den Rettungseinsatz im Grunde unverzichtbar war und als wichtigste Stelle zur Koordinierung der verschiedenen Behörden diente, wurde es frühzeitig - zwischen 9.15 und 9.30 Uhr Ortszeit - geräumt, lange bevor die Türme einstürzten.[viii]

Warum wurde die Zentrale für das Krisenmanagement genau in dem Moment geräumt, wo sie am meisten gebraucht wurde? Interessanterweise wurden die eigentlichen Entscheidungsträger vor vollendete Tatsachen gestellt:


Als Bürgermeister Rudolph Giuliani kurz nach dem zweiten Flugzeug-Einschlag vor dem WTC 7 ankam, wurde er schon auf der Strasse von Police Commissioner Bernie Kerik empfangen. Kerik hatte entschieden, dass es zu gefährlich gewesen sei, den Bürgermeister hinauf in die Kommandozentrale zu bringen“. [ix]

Stattdessen wurde ein Kommandoposten auf der Straße errichtet, inmitten all der Panik und Hektik. Giuliani wurde nicht in die Entscheidung einbezogen, das EOC als Kommandoposten im WTC 7 zu räumen. Interessant ist, dass Kerik später vor der 9/11-Commission den Eindruck zu erwecken versuchte, diese Entscheidung sei gemeinsam mit Giuliani gefallen.[x]

Auch Fire Commissioner Van Essen suchte vergeblich nach Verantwortlichen im WTC 7. Stattdessen wurde er von einer Wache in der Lobby angehalten und bekam den Befehl, zusammen mit seinem Stab das Gebäude zu verlassen. „Dieses Gebäude wurde evakuiert. OEM, der Bürgermeister, sie sind alle gegangen“, bekam Van Essen noch zu hören und sagte später aus, dass er sich dachte: „Wie lächerlich, da haben wir eine 13 Millionen teure Kommando-Zentrale und können sie nicht mal nutzen.“ [xi]

Doch warum wurde das EOC so frühzeitig aufgegeben? Die räumliche Nähe zu den Attacken scheint nicht plausibel. Die zu einem „Bunker“ ausgebaute OEM-Zentrale im WTC 7 wäre sicherer gewesen, als irgendein spontan errichteter Posten auf der Straße. Niemand hätte zu diesem Zeitpunkt wissen können, ob Al-Qaida - wie schon 1993 - nicht auch mit Autobomben oder anderen Mitteln angreift, z.B. Bio-Waffen. Der Bunker mit seiner eigenen Luftversorgung war genau für solche Szenarien vorgesehen. Eine großangelegte Bio-Terror-Übung namens Tripod war für den folgenden Tag im WTC 7 geplant. Am Morgen des 11.September sollte dazu im EOC eine Besprechung abgehalten werden. Niemand konnte zum Zeitpunkt der Räumung wissen, dass die Bedrohung an diesem Tag einzig in Form einstürzender Boeings stattfinden würde.

Auch OEM-Chef Sheirer hatte nicht die Entscheidung getroffen, das EOC zu räumen. Laut 9/11-Commission Report wurde der Befehl zur Räumung erst nach einer Anweisung durch einen Secret Service Agenten gegeben, der auf ein weiteres entführtes Flugzeug hinwies.[xii] Wenn der Verblieb in Gebäuden für zu riskant erachtet wurde, warum wurde dann nicht auch sofort der Feuerwehr und anderen Einsatzkräften der Befehl gegeben, aus den brennenden Türmen abzuziehen?

Selbst die 9/11 Commission und NIST kritisierten die Nicht-Nutzung des EOC, ohne jedoch der Sache wirklich auf den Grund zu gehen. NIST bilanzierte, die Räumung hatte einen „negativen Einfluss auf effektive Maßnahmen auf höchster Kommando-Ebene. Der Verlust von verschiedenstem wichtigen Personal und des Krisenzentrums störte ernsthaft die Notfall-Maßnahmen am WTC.“[xiii]

John Farmer, ehemaliger Staatsanwalt von New Jersey, leitete die 9/11 Commission Untersuchungsgruppe zur städtischen Krisenreaktion: „Wir versuchten zu verstehen, was (OEM-Chef) Sheirer wirklich gemacht hat. Wir haben versucht, es anhand der Video-Aufnahmen herauszufinden. Wir können es nicht sagen. Alle vom OEM waren mit ihm unterwegs, praktisch die ganze Befehlskette. Irgendwer von denen hätte in der Kommando-Zentrale sein sollen.“ [xiv]

Zusammengefasst: Der Secret Service veranlasste die sofortige Räumung des Gebäudes und schließlich auch des EOC. Dessen Räumung fand früher statt, als in der ZDF-Sendung behauptet. Genau dieser Sachverhalt stützt Jennings Aussage, dass die Explosionen im Gebäude bereits vor dem Einsturz der Türme stattfanden.


ZDF-History stellt aber nicht nur Jennings Aussage komplett falsch dar. Um die Widersprüche des aktuellen NIST-Reports gar nicht erst entwirren zu müssen, werden kurzerhand alle verdächtigen Aspekte der Evakuierung des EOC dem Publikum vorenthalten.

Mark Loizeaux - Kronzeuge der offiziellen Version

Die Parteilichkeit der ZDF-Sendung wird auch durch deren tendenziösen Sprachgebrauch deutlich: Z.B. haben die „Macher“ von Loose Change einen „Sprengmeister“ „aufgetrieben“. Gemeint ist Daniel Jowenko, führender Experte auf seinem Gebiet in den Niederlanden.

Sein Eintreten für die Spreng-These wird vom ZDF gekontert: „Doch nicht alle Abriss-Profis sehen das so.“ Trotz des verwendeten Plurals wird aber nur einer präsentiert: Mark Loizeaux, „Experte wie kaum ein Zweiter“ und Chef des Familien-Unternehmens Controlled Demolition Inc. (CDI).

Auf der Webseite der CDI ist zu lesen: „Controlled Demolition Incorporated (CDI) verfügt über die angemessene Erfahrung und Expertise, um dem Verteidigungsministerium bei Abriss-Projekten sensibler Objekte behilflich zu sein. (...) Durch die Unterstützung unseres internationalen Netzwerks (...) kann CDI schnell auf verteidigungsbezogene Anfragen reagieren. CDI hat die nötigen Genehmigungen und die nötige interne Kontrolle, um Regierungsbehörden bei ihren Untersuchungen zu unterstützen, die das Sammeln von kriminalistischen Beweisen beinhalten.“ [xv]

Nicht nur diese Nähe zur US-Regierung und die damit einhergehende Abhängigkeit von deren Aufträgen lässt Loizeaux nicht als unbefangenen, neutralen Experten erscheinen. Dass Loizeauxs Firma behilflich war, die Trümmer des World Trade Center und damit auch die Beweise zu beseitigen, trägt nicht zu dessen Glaubwürdigkeit bei.

Seine Glaubhaftigkeit wird allerdings vollends erschüttert, wenn man die in der Sendung gemachten Aussagen unter die Lupe nimmt. So führte Loizeaux als Argument gegen eine Sprengung die Tatsache ins Feld, dass die Fenster der an das Gebäude 7 angrenzenden Häuser nicht zerstört waren. Das sei laut Loizeaux bei einer Sprengung unmöglich. Doch im gleichen Atemzug erwähnt er die von seiner Firma durchgeführte Sprengung des Hudson-Gebäudes in Detroit im Oktober 1998. Genau mit diesem Beispiel versucht Loizeaux zu zeigen, wie kompliziert eine solche Sprengung ist und welch umfassender Vorbereitung es dazu bedarf. Damit will er das Argument gegen die Spreng-These schlechthin liefern: Wie hätten solch umfassende Vorbereitungen im WTC 7 unbemerkt durchgeführt werden können?

Verschwiegen hat Loizeaux allerdings die Tatsache, dass die Kompliziertheit der Sprengung des Hudson-Gebäudes auch dem Anliegen geschuldet war, den umliegenden Häusern und deren historischen alten Fenstern keinen Schaden zuzufügen.

Dies hatte auch im Wesentlichen geklappt und damit Loizeauxs Firma vor möglichen Schadensersatz-Ansprüchen bewahrt. Genauso lässt es sich auf der firmen-eigenen Webseite nachlesen. Leider hat sich ZDF-History diese Mühe nicht gemacht. [xvi]

Wenn Mark Loizeaux in der Lage ist, Gebäude zu sprengen, ohne die Fenster der umliegenden Häuser zu zerstören, warum behauptet er dann, dass zerbrochene Fenster ein unbedingtes Merkmal von Sprengungen seien?

Bemerkenswert sind auch Loizeauxs Aussagen zu Thermite (dt: Thermit). Er hält es für unmöglich, dass man alle Säulen gleichzeitig mit Thermite durchtrennen könne. Wenn er die zeitgleiche Durchtrennung der Stahl-Säulen als Voraussetzung des Einsturzes ansieht, wie sollen dann zufällig verteilte Feuer etwas geschafft haben, was der gezielt platzierte Einsatz von Thermite nicht schaffen kann? Loizeaux behauptet, dass es keine auf Thermite basierenden Materialien und Technologien gibt, die zu Abriss-Zwecken verwendet werden. Im ZDF betont der Sprengexperte, er müsse das schließlich wissen und alle anderen Behauptungen seien im „Fantasieland“ anzusiedeln. Auch hier täuscht Loizeaux wieder das Publikum: Patente für Thermite-basierte Trennladungen wurden in den USA schon vor dem 11.September 2001 eingereicht. Dabei wurde insbesondere auf ihre Vorteile Bezug genommen – sie sind leise und erzeugen keine Schockwelle.[xvii]

Thermite wurde auch bereits zur Sprengstoff-Variante weiterentwickelt, dem sogenannten Nanothermite. Besonders pikant: Mitarbeiter des NIST waren an der Erforschung und Entwicklung dieses modernen Sprengstoffs beteiligt.[xviii] Dessen Existenz wird von den Verantwortlichen der Sendung schlicht geleugnet.[xix]

Das möglicherweise Thermite – oder eine Variante davon – für den Abriss verwendet wurde, scheint nicht nur eine von Verschwörungs-Theoretikern herbeigeholte Hypothese zu sein, um das Fehlen von Explosions-Geräuschen oder zerbrochenen Fenstern zu erklären.

Tatsächlich ließen sich im WTC-Staub Signaturen oder „Fingerabdrücke“, wie Professor Steven Jones es in der Sendung ausdrückt, von Thermite finden. Das ZDF wischt die Präsenz von Thermite mit dem Hinweis vom Tisch, diese Rückstände könnten das Ergebnis von Schneidbrennern sein, die bei den Aufräumarbeiten zum Einsatz kamen. Im Gegensatz zur BBC unterschlägt ZDF-History allerdings, dass Jones Thermite-Signaturen auch in Staubproben entdeckte, die zwanzig Minuten nach dem Einsturz der Türme genommen wurden - lange vor den Schneidbrenner-Arbeiten.

Loizeaux führt ein weiteres Argument gegen eine Sprengung ins Feld: Sie würde eindeutige Spuren hinterlassen, die jedoch im Fall des WTC nicht gefunden wurden. Gemeint sind die Zündkapseln, die er in die Kamera hält, ca. 10 cm lange, dünne Metallröhrchen. Dass nun inmitten all der Tausenden Tonnen von Schutt die Überreste solch dünner Metallröhrchen gefunden werden sollten, legt das ZDF mit der Formulierung nahe, die Aufräumarbeiter hätten „jeden Zentimeter durchkämmt“.

Zur Unterstützung dieser gewagten Theorie wird Gene Corley herbeizitiert. Corley leitete die Untersuchung durch die FEMA (Katastrophenschutz-Behörde), die die Aufgabe hatte, Trümmer des WTC für die weitere Untersuchung zu sichern. Corley's Aussage, es sei dabei gezielt nach Spuren für eine Sprengung gesucht worden, ist eine glatte Lüge. Weder wurden Aufräumarbeiter oder Mitarbeiter der FEMA angehalten, gezielt nach Überresten von Zündkapseln zu suchen, noch wurden die für die Untersuchung gesicherten Bauteile auf Sprengstoff-Spuren untersucht - wie NIST selbst einräumt. [xx]

In einem Interview mit „No Lies Radio“ bestätigte Shyam Sunder, der die NIST-Untersuchung leitete, dass es sich nicht um eine „kriminalistische“ Untersuchung gehandelt habe.[xxi]

Bemerkenswerterweise gehörten Loizeaux und Corley zu den wenigen Experten, die den Einsturz der Türme voraussagten. [xxii]

Voller Zugang zu verschwundenen Beweisen?

Das ZDF täuscht darüber hinaus das Publikum, wenn es sagt, dass das Untersuchungs-Team der FEMA unmittelbar nach dem Einsturz der Gebäude Zugang zum Ort des Geschehens hatte. Hier war man wohl den Aussagen Corleys aufgesessen, der schon vor dem Science Committee of the House of Representatives davon sprach, sein Team habe „vollen Zugang“ gehabt. [xxiii]

In der Realität beschränkte sich der „volle Zugang“ auf einige Sight-Seeing-Touren, welche im Zeitraum vom 7. bis 12. Oktober 2001 stattfanden – also fast einen Monat nach den Anschlägen.[xxiv] Zu diesem „unmittelbaren“ Zeitpunkt waren bereits über 100.000 Tonnen Trümmer beseitigt worden.[xxv]

Direkt von Ground Zero wurden nur sage und schreibe sieben Stahlteile für die weitere Untersuchung gesichert, aber nicht von dem zuständigen FEMA-Team, sondern von einer Gruppe Freiwilliger der Structural Engineers Association of New York. [xxvi]

Die restlichen Stahlteile wurden auf den Schrotthalden gesichert, zusammen mit denen von Ground Zero insgesamt 156 Stück.

Das House of Representatives kam bezüglich der Anstrengungen der FEMA zu einem vernichtenden Urteil: Die Untersuchung habe keine ausreichenden Befugnisse gehabt und sei außerdem zu spät begonnen worden, wichtige Beweismittel seien verloren gegangen, Mitglieder der Untersuchung mussten Verschwiegenheits-Verpflichtungen unterschreiben. Dokumente wie z.B. die Blaupausen der Gebäude wurden ihnen vorenthalten, sie hätten keine ausreichende Mittel gehabt, um zu untersuchen, warum die Gebäude einstürzten. [xxvii]

Die Ergebnisse dieser Untersuchung kann man in den 2002 veröffentlichen FEMA-WTC-Berichten nachlesen.[xxviii] Vor allem der Bericht zu WTC 7 hat es in sich. So behauptet die FEMA darin, dass Brände, selbst wenn sie durch tausende Liter Öl der im Gebäude befindlichen Tanks genährt worden wären, nur eine „geringe Wahrscheinlichkeit“ haben, als Ursache für den Einsturz in Frage zu kommen. [xxix]

In dem Bericht ist ebenfalls nachzulesen, was die New York Times als das „größte Mysterium“ der Untersuchung bezeichnete: An einem Stahlbauteil aus Gebäude 7 wurde ein Phänomen entdeckt, welches noch nie zuvor bei einem Brand beobachtet wurde: „Eutektische Reaktionen verursachten eine intergranulare[xxx] Schmelzung, die solide Stahlträger in Schweizer Käse verwandelte“.[xxxi]

Dabei wurden mindestens Temperaturen von 1000 Grad Celsius erreicht – weit über dem von NIST als Maximum (600°C) angegebenen Wert. Auch wurden Spuren von Schwefel („Sulfidation“) entdeckt. Schwefel lässt sich Thermite hinzufügen und sorgt dafür, dass die Schmelztemperatur des Stahls herabgesetzt wird, in diesem Fall von ca. 1500°C auf eben jene 1000°C.

FEMA schließt die Möglichkeit nicht aus, dass das „Phänomen vor dem Kollaps begann und die Schwächung des Stahls beschleunigte.“ Eine weitere, detaillierte Untersuchung dieses „sehr ungewöhnlichen“ Sachverhalts wird als notwendig erachtet.[xxxii]

Doch wie wir bereits wissen, behauptet NIST, dass keine Trümmer von WTC 7 für die Untersuchung zur Verfügung standen.[xxxiii] NIST selbst hatte keinerlei Material für die Untersuchung gesichert, sondern wurde mit den Exemplaren der FEMA versorgt. Von den oben schon genannten 156 Teilen wurden im Mai 2002 41 Teile an NIST übergeben.[xxxiv] Laut FEMA wurden nicht sämtliche 156 Teile aufbewahrt und an NIST weitergereicht, weil „einige Teile nicht relevant waren, um die Gebäude-Schäden zu verstehen“.[xxxv]

Man muss kein Verschwörungs-Theoretiker sein, um anzunehmen, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden dieser Stahlteile – den einzigen von Gebäude 7 – und dem von ihnen offenbarten „größten Mysterium“ gibt. Sie lassen die Thermite-Theorie nicht mehr als bloßes Hirngespinst erscheinen. Das NIST sie nicht, wie von der FEMA gefordert, einer weiteren Untersuchung unterzog, wirft ein bezeichnendes Licht auf die wissenschaftlichen Standards - oder besser gesagt: Nicht-Standards - die bei dem Institut vorherrschen.

Ein Licht wirft es auch auf die Standards, die bei der ZDF-Sendung vorherrschen. Zwar wird erwähnt, dass der gesamte Stahl von Gebäude 7 eingeschmolzen wurde - aber warum und von wem? Dieser brisanten Frage wird nicht weiter nachgegangen. Der "Schweizer-Käse-Effekt" wird dabei ganz unterschlagen.

Das große Aufräumen

Was Gebäude 7 angeht, so wurde auf alle Standards verzichtet: „Normalerweise, wenn man einen strukturellen Fehler hat, durchsucht man behutsam das Trümmerfeld nach jedem Stück – fotografiert jeden Träger und jeden Pfeiler wo sie sind, hebt sie vorsichtig auf und sieht sich jedes Element an. Im Fall von Gebäude 7 konnten („unable“) wir das nicht tun“, erklärte Prof. Jonathan Barnett, der auch an der WTC-Untersuchung teilnahm.[xxxvi]

Kein Zugang für die Ermittler und alle Überreste zerstört: das ist die Bilanz für WTC 7.

Wie konnte es überhaupt passieren, dass all diese Beweismittel zerstört wurden, und wer war dafür verantwortlich? Fragen, die das ZDF nicht stellt.

Dabei sind die Antworten so grotesk, dass man sie in einer Dokumentation würdigen muss: Mike Burton und Kenneth Holden, ihres Zeichens Chefs des „obskuren“[xxxvii], erst Jahre zuvor gegründeten Department of Design and Construction (DDC), betraten am 11.September die Szenerie und „taten, was getan werden musste“: „Wir waren da, niemand sagte ‚nein’, also machten wir weiter“, erklärte Holden.[xxxviii] Gemeint ist der Abtransport („clean up“) der Trümmer. Noch am Nachmittag wurde das gesamte Gelände in vier Quadranten aufgeteilt, wobei WTC 7 als eine „stand-alone“ Operation deklariert wurde.[xxxix] Burton rief Richard Tomasetti an, Präsident der Thornton-Tomasetti Group Inc., die fortan die Hauptrolle in der praktischen Umsetzung der Beseitigung spielte. Neben Loizeauxs Conrolled Demolition Inc. war auch die britische AMEC beteiligt. Und das, obwohl gegen deren US-Filiale gerade ein Verfahren wegen Beteiligung an Regierungskorruption lief.

Darüber hinaus berichtete die New York Daily News: „AMEC heuerte Big Apple Wrecking an, dessen Eigentümer, Harold Greenberg, ist mutmaßlich mit der Mafia assoziiert. Seine Firma wurde von Regierungs-Aufträgen ausgeschlossen aufgrund seiner Verurteilungen wegen illegaler Absprachen bei Ausschreibungen und der Verschwörung zur Bestechung.“ [xl]

Auch zum zweiten 9/11-Tatort hat AMEC eine wichtige Beziehung. AMEC war verantwortlich für die Sicherheits-Renovierung genau jener Pentagon-Sektion, in die Flug 77 seine Flügel bohrte. AMEC-Mitarbeiter kamen dabei nicht zu Schaden – die jahrelange Renovierung war gerade fertig gestellt worden. Allein für den Wiederaufbau des zerstörten Pentagon-Flügels bekam AMEC einen Auftrag in Höhe von 520 Millionen US-Dollar. [xli]AMEC profitierte auch indirekt von 9/11 und dem anschließenden „War on Terror“: als einer der größten britischen „Contractors“ im Irak-Krieg.

Zurück zu Ground Zero. Es ist kaum zu glauben, wie unbekümmert Burton und Holden ans Werk gingen – doch sie handelten schließlich außerhalb ihres Verantwortungsbereiches. Die New Yoker Katastrophen-Pläne sahen vor, dass das Department of Sanitation für die Beseitigung von Trümmern zuständig ist.[xlii] Bei Ground Zero handelte es sich um die größte „Crime-Scene“ der US-Geschichte, und Burton konnte dort einfach hineinspazieren und Beweise abschleppen lassen, ohne sich jemals mit dem FBI und anderen Stellen ausgetauscht zu haben bzw. jemals auch nur daran gedacht zu haben?

Abgesehen davon, dass es sich hier um Beweismittel in einem Verbrechen handelt, ist alleine aus ingenieur-technischer Sicht die Entsorgung der Trümmer – besonders im Fall von WTC 7 – unverantwortlich. Diese Einschätzung wird Burton sicherlich nicht teilen: „Wir wissen, warum sie fielen“, sagte er. „Weil zwei Flugzeuge in die Türme flogen“. [xliii]

Zur rapiden Entsorgung der Trümmer wurde auch Gene Corley vor dem „Committee on Science - House of Representatives“ befragt: „Haben Sie oder FEMA (...) der Stadt New York gesagt, sie solle die Entsorgung des Materials einstellen?“ Corley: „(...)Ich habe kein Wissen darüber, dass irgendjemand die Autorität hatte, auch nur nach einer Einstellung zu fragen“.

Der Komitee-Vorsitzende Joseph Crowley fasste Corleys Bericht zusammen: „Also hat niemand höflich darum gebeten, mit dem Verkauf dessen aufzuhören, was aller Wahrscheinlichkeit nach Beweismittel sind? (...) Ich glaube für Verschwörungs-Theoretiker wird das ein großer Tag sein. Dagegen sieht die Warren-Commission wie ein Spaziergang aus“. [xliv]

Der Stoff aus dem Verschwörungs-Theorien sind

Bis zum 11. September 2001 war der Anschlag vom 19. April 1995 auf das FBI-Gebäude in Oklahoma City - auch Murrah Federal Building genannt – die bis dato größte Terroraktion in den USA. Auch um den Oklahoma-Anschlag ranken sich Verschwörungs-Theorien. Nicht ohne Grund: So ist bis heute noch die Identität von „John Doe“ unbekannt, jenem Mann, der von Dutzenden Zeugen als Beifahrer des Lasters beschrieben wurde, den Timothy McVeigh vor dem Gebäude hochgehen ließ. [xlv]

Video-Aufzeichnungen der Security-Kameras, auf denen der Mann zu sehen sein müsste, werden bis heute unter Verschluss gehalten. Auch gab es Live-Medienberichte über Sprengsätze, die im Gebäude gefunden wurden und von Experten entschärft und geräumt werden mussten.[xlvi] Die Rettungsmaßnahmen mussten mehrmals unterbrochen werden. Waren das alles nur Fehlinformationen, der Hektik der Ereignisse geschuldet?

Nein, vielmehr bestätigen die Aussagen der FEMA, der Feuerwehr, anderer Behörden und Personen die Medienberichte.[xlvii] Bomben im Innern des Gebäudes würden diesen Anschlag im wahrsten Sinne des Wortes zu einem „Inside-Job“ machen.

Der Sprengstoff-Experte General Benton K. Partin erstellte eine Analyse, die zu dem Schluss kam, dass Sprengsätze im Gebäude platziert waren. Seine Analyse wurde dem Kongress vorgelegt und ist in den Kongress-Aufzeichnungen dokumentiert. [xlviii]

Was hat das aber mit dem WTC zu tun? Nun, die personelle Verbindung ist verblüffend.

Wer entsorgte die Trümmer des Gebäudes in Oklahoma City? Controlled Demolition Inc.!

Wer war der Leiter des offiziellen Reports? Kein anderer als der Leiter der WTC-Untersuchung durch die FEMA, Gene Corley! Sein damaliger Bericht kam – wen wundert’s – zu einem ganz anderen Schluss als die Analyse von General Partin.[xlix]

Auch die drei Co-Autoren des Berichts über die Schäden am Murrah Federal Building sind den 9/11-Kennern nicht neu: Paul Mlakar leitete die Untersuchung zu den Ereignissen des 11.9. am Pentagon. Mit Mete Sozeny und Charles Thornton waren zwei weitere Personen beteiligt, die zu den WTC-Ermittlern des NIST gehörten. Thornton gehört zu der oben schon erwähnten Thornton-Tomasseti-Group, welche hauptverantwortlich für die Vernichtung der WTC-Überreste war. Genauso wie der „Zar“[l] der Beweisvernichtung, Mike Burton, sah auch Thornton keinen Grund für eine gründlichere Untersuchung. „Karl, wir alle wissen, was den Einsturz verursacht hat.“ Er sprach zu Karl Koch, dessen Firma Karl Koch Erecting Co. die Türme errichtet hatte. „Das Feuer brannte bis der Stahl schwach wurde, die Etagen kollabierten und setzten eine Kettenreaktion in Gang“, so erklärte Koch später Thornton's Aussage.[li]

Genaugenommen gibt Thornton als Mitglied des NIST-Berater-Komitees damit zu, dass sich die Verantwortlichen („wir alle“) der Untersuchung schon vor der Prüfung auf eine Ursache festgelegt hatten: durch Brände geschwächter Stahl.

Offen bleibt die Frage, warum in einem Land, dass auf Expertisen von über einer Million Ingenieure zurückgreifen könnte, immer dieselbe Handvoll auserwählt ist, wenn es um Terrorakte geht. Gene Corley leitete auch die Untersuchung in Waco, wo sich 1993 Staat und Mitglieder einer religiösen Sekte ein tödliches Gefecht lieferten.[lii] Es muss wohl nicht extra betont werden, dass auch hier die Verschwörungs-Theorien zahlreich sind.

Viel Rauch um nichts

Um die Sprengungsthese zu widerlegen, präsentiert das ZDF Filmaufnahmen der Südseite des Gebäudes, dort, wo es von herabfallenden Trümmern der Zwillings-Türme getroffen wurde. Doch diese Aufnahmen sind nicht neu, wie suggeriert wird. Die vorhandenen Schäden – und hier sind sich NIST und deren Kritiker einig – hatten mit dem Kollaps selbst nichts zu tun. Laut NIST wäre auch ein völlig intaktes WTC 7 in sich zusammen gestürzt.

Geradewegs irreführend ist die Darstellung und Argumentationsweise des ZDF in Bezug auf den Rauch. Tatsächlich sind massive Rauchwolken auf der Südseite zu sehen. Das ZDF unterschlägt aber im Gegensatz zu den Kollegen der BBC, dass sich in die Rauchwolke auch der Rauch aus den benachbarten, lichterloh brennenden Gebäuden WTC 5 und 6 mischt. Gegen die Brände in WTC 5 und 6 ging die Feuerwehr mit mehreren Löschzügen vor. Wassermangel kann also nicht vorgelegen haben, wie im Fall der unterlassenen Löschmaßnahmen beim WTC 7 von Feuerwehr-Chef Nigro behauptet wird.

Das ZDF leugnet diese Tatsache nicht und erklärt, woher das Wasser kommt: Es wurde mittels Löschbooten aus dem Fluss gepumpt. Unerwähnt bleibt aber die Kapazität: Allein das Löschboot „John J. Harvey“ konnte 16-20,000 Gallonen Wasser pro Minute pumpen.[liii] Dies entspricht in etwa 15 Löschzügen und stellt ein Vielfaches der in Gebäude 7 vorhandenen Sprinkler-Kapazität dar.[liv] „Laut Interviews mit Feuerwehr-Leuten war Wasser für WTC 7 nie ein Thema, da mit Löscharbeiten gar nicht erst begonnen wurde“, erklärt sogar der NIST-Bericht.[lv]

Zurück zum Rauch. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass dieselben Aufnahmen, die ZDF-History als Argument gegen eine Sprengung benutzt, von den Anhängern der Abriss-Theorie schon seit Monaten zur Untermauerung ihrer These herangezogen werden. Die vielen „Propaganda-Videos“ im Internet bestätigen das.[lvi] Denn tatsächlich lässt sich in den Aufnahmen Rauch, aber nirgends Feuer ausmachen. Auf der ganzen Südseite ist zum Zeitpunkt der Aufnahme kein Brand mehr zu erkennen – das von Rotanz beschriebene „Inferno“ muss vorher gewütet haben. Überhaupt lässt sich auf keiner Aufnahme des Einsturzes irgendwo ein Feuer ausfindig machen.

Handelt es sich hierbei um ein ganz neues Phänomen, wonach nicht Feuer, sondern Rauch das Gebäude zu Fall brachte? Im ZDF-Filmkommentar wird gesagt, diese Aufnahmen zeigen, „wie stark die Feuer wirklich waren“. Scheinbar wird darauf spekuliert, dass die Zuschauer den Unterschied zwischen Rauch und Feuer nicht bemerken und so der Irreführung folgen.

NIST simuliert

Nach der Ausstrahlung zeichnete Christian Röckerath - gemeinsam mit Mike Rudin von der BBC Autor der Dokumentation – in einem Chat wie erwartet ein positives Bild des NIST: „NIST ist eine staatliche Behörde, die aber nicht politisch geführt wird und sehr auf ihre Unabhängigkeit pocht“.

So unabhängig wie eine Behörde nur sein kann, deren Direktoren direkt von Präsident Bush ernannt werden. Auf der NIST-Webseite liest sich die Beziehung zur US-Regierung so:

„Ist NIST involviert in andere Aktivitäten des Heimat-Schutzes?

NIST hat eine lange und produktive Geschichte der Unterstützung der nationalen Sicherheit. NISTs Messungen und Standards stellen eine wichtige Unterstützung für die Entwicklung von Radar, Nuklear-Waffen, Flug-Instrumenten und anderen Schlüsseltechnologien dar, die den Vereinigten Staaten halfen, vergangene Konflikte erfolgreich zu bestehen. Jetzt stellt NIST Unterstützung für Technologien bereit, die helfen sollen, den Krieg gegen den Terror zu gewinnen und unser Heimatland zu verteidigen.“[lvii]

Das pochen auf Unabhängigkeit ist hier nur schwer heraus zu hören. Da NIST keine Trümmer untersuchen konnte, wurde auf Computer-Simulationen zurückgegriffen. Allerdings lassen sich ohne Zugang zur Software und der verwendeten Parameter diese Simulationen keiner unabhängigen Prüfung unterziehen. Dazu befragt, antwortete Röckerath im Chat: „Die Software können wir nicht selbst beurteilen. Wir sagen lediglich, dass so der offizielle Beweis aussieht. Allerdings habe ich das Dr. Sunder auch gefragt und er sagte, dass diese Software ein sehr aufwändiger Standard ist, die auch in der Vergangenheit in zahlreichen Fällen benutzt worden ist. Aber, wie gesagt, es ist nicht an uns, das zu beurteilen.“

Kurz: Wir müssen die Regierungs-Behörde beim Wort nehmen. Zwar sagt Röckerath, er könne die Software nicht beurteilen, doch im Film hört sich das ganz anders an. Dort wird sie gepriesen, jedes Detail habe sie erfasst, buchstäblich jede Schraube. Und sie basiere auf hunderten Aussagen und Videos, decke sich also mit empirisch erfassten Daten. Wenn man aber NIST nicht blind vertraut und sozusagen das Kleingedruckte im neuen NIST-Bericht liest, ergibt sich ein anderes Bild.

Laut der offiziellen Version wütete der Brand hauptsächlich in der 12. Etage. Dieses Feuer führte dazu, dass sich die Verstrebungen zwischen Pfeiler 79 und 44 in der 13. Etage lösten. Dies löste den Kollaps aus, in dessen Folge zuerst Pfeiler 79 nachgab und anschließend über eine Reaktionskette das gesamte Gebäude zusammenbrach. Hier sei angemerkt, dass NIST in seinem neuen Bericht davon ausgeht, das Versagen nur eines Pfeilers habe das gesamte Gebäude zu Fall gebracht. Zu Fall gebracht ist damit allerdings auch der Einwand, eine Sprengung sei viel zu aufwändig und könne nicht unbemerkt von Statten gehen. Offensichtlich würde laut NIST schon die Sabotage an einem einzigen Pfeiler dazu ausreichen.

Laut der NIST-Feuer-Simulation ist um 4.00 Uhr nachmittags die komplette Nordseite von Etage 12 in Flammen eingehüllt, die Brände dauern etwas nachlassend bis zum Einsturz um 5.20 Uhr an. Doch im selben Report zeigt NIST ein Foto, entstanden kurz vor 4.00 Uhr.[lviii] Man erkennt, dass schon ca. eineinhalb Stunden vor dem Kollaps die Etage ausgebrannt war. Flammen sind nur vereinzelt an der West-Seite auszumachen und nicht an der Ost-Seite, wo Pfeiler 79 steht, der sich laut NIST-Simulation um diese Zeit mitten in einem fast 1000 Grad Celsius heißen Brandherd befindet. Die Fenster-Reihe in Etage 12 ist fast komplett zerbrochen, dennoch steigt wenig Rauch hervor.

Handelt es sich hierbei um ein weiteres neues Phänomen, wonach Stahlträger der Hitze eines Feuers standhalten können, aber dem daran anschließenden Abkühlungsprozess nicht?

Die Hochofen-Theorie

Im Dezember 2007 erklärte NIST, dass in jeder einzelnen Region des WTC 7 das Brandmaterial für ein ca. 20-minütiges Feuer ausreichte.[lix]

Die Brände hatten also nach ca. 20 Minuten ihren jeweiligen Höhepunkt und erloschen dann bzw. wanderten weiter in Zonen, wo noch Brandmaterial zur Verfügung stand. Der Stahl im Gebäude hatte einen dreistündigen Brandschutz.

Was passiert wenn ein 20-minütiges Feuer auf Stahl trifft, der einen solchen Brandschutz aufweist? Nicht viel, laut Studien würde der Stahl gerade einmal die Temperatur von 200 Grad Celsius erreichen.[lx] Und diese Daten basieren nicht auf Computer-Simulationen.

Doch laut dem Untersuchungsleiter der NIST, Shyam Sunder, würde nach dem Ausbrennen des Materials keine wesentliche Abkühlung einsetzen, da die Hitze nicht entweichen könne.

Ähnlich äußerte sich auch Christian Röckerath: „Allerdings konnte der Stahl auch nicht mehr abkühlen, weil sich das Gebäudeinnere insgesamt weiter aufgeheizt hat. Der entscheidende Punkt war die Dauer dieser 400 Grad auf dem Stahl.“

Dieses Rätsel, wie sich das Gebäudeinnere „insgesamt“ nach dem Abklingen der Brände weiter aufgeheizt haben soll, kann wohl nur eine weitere ZDF-History-Sendung lösen. Wenn man annehmen soll, dass die dafür nötige Energie aus dem Nichts kommt, macht diese Erklärung keinen Sinn. Beim WTC 7 handelte es sich nicht um einen geschlossenen Hochofen. Fast alle Fenster auf der Etage waren zerbrochen, außerdem gab es die Schäden an der Südseite des Gebäudes. Daher ist zu erwarten, dass die vorhandene Ventilation für Abkühlung sorgte. Ohne diese Ventilation hätten sich die Brände ja gar nicht erst ausbreiten können. Auch NIST weiß, dass in geschlossenen Räumen nur ein geringer Prozentsatz des Brandmaterials überhaupt vom Feuer verbraucht wird.

Neben der Ventilation sorgt auch die Leitfähigkeit des Stahls für Abkühlung. Die "Hochofen"-Theorie ist also eher im Bereich der Märchen anzusiedeln. Um die Hitze am Abziehen zu hindern, hätten sich die Fenster und die zerstörten Wände wieder verschließen müssen.

Ein Novum, das man selbst dem WTC 7 nicht zutrauen will, trotz seiner Einzigartigkeit. War es doch das erste und einzige Hochhaus, das aufgrund eines Feuers einstürzte, das erste und einzige Hochhaus, in dem das neue Phänomen der thermalen Expansion vernichtend zuschlug, das erste und einzige Hochhaus, dessen Einsturz schon im Fernsehen vermeldet wurde, als es noch stand. Und es war wohl auch das erste und einzige Gebäude, dessen Noteinsatz-Zenrale beim Einsetzen eines Notfalls prompt verlassen wurde. Es ist auch das erste und einzige Hochhaus, dessen Stahlträger Löcher „wie ein Schweizer Käse“ aufwiesen und das erste und einzige Hochhaus, dessen Trümmer komplett vor Beginn der Untersuchung entsorgt wurden.

Fazit: ZDF-History hat nicht das letzte Rätsel gelöst, sondern noch ein weiteres hinzugefügt: Warum legt sich dieser öffentlich-rechtliche Sender trotz der offensichtlichen Widersprüchlichkeiten so einseitig für die offizielle Version ins Zeug?

Röckerath sieht das anders, in dem an die Ausstrahlung anschließenden Chat schrieb er: „Wir sind ergebnisoffen an die Recherche gegangen, nicht unter (der) Fragestellung, auf wessen Seite wir sind. Die NIST hat sicher keinen Einfluss auf das ZDF. Wenn wir etwas Faules an der Sache zu berichten hätten, würden wir das tun.“

Von SEBASTIAN RANGE

Artikelquelle: http://hintergrund.de/index.php?option=com_content&task=view&id=247&Itemid=137

Artikelverweise:

[xviii] "The Top Ten Connections Between NIST and Nano-Thermites", Kevin Ryan, 2.7.2008, zu finden unter:

http://journalof911studies.com/volume/2008/Ryan_NIST_and_Nano-1.pdf

[xix] "Für NanoThermit gibt es keine Belege" schrieb Christoph Röckerath, hauptverantwortlich für die deutsche Version, im an die Sendung anschließenden Chat.

[xx] http://wtc.nist.gov/pubs/factsheets/faqs_8_2006.htm

[xxi] Interviwe mit Shym Sunder, gesendet am 26.8.2008, http://www.noliesradio.org/

[xxii] Corley: http://www.sptimes.com/News/091401/Worldandnation/Engineer__Impact_show.shtml

Loizeaux: http://www.newyorker.com/FACT/?011119fa_FACT

[xxiii] http://www.house.gov/science/hearings/full02/mar06/corley.htm

[xxiv] Siehe: http://irc.nrc-cnrc.gc.ca/pubs/ci/v7no1/v7no1_7_e.html

http://www.engr.mun.ca/~csce/Page_files/events/upcoming/National_lecture_2003.html

[xxv]Siehe:http://www.telegraph.co.uk/news/main.jhtml?xml=%2Fnews%2F2001%2F09%2F29%2Fwnyc29.xml

http://www.yale.edu/lawweb/avalon/sept_11/eng_005.htm

[xxvi] http://www.house.gov/science/hot/wtc/wtc-report/WTC_apndxD.pdf (siehe S.D-1 u. D-10)

[xxvii] http://gop.science.house.gov/hot/wtc/charter.htm , House Science Committe, 3/6/02

[xxviii] Alle Berichte der FEMA zum WTC finden sich unter: http://www.fema.gov/rebuild/mat/wtcstudy.shtm

[xxix] FEMA WTC 7 Report, S. 5-31, http://www.fema.gov/pdf/library/fema403_ch5.pdf

[xxx] http://en.wikipedia.org/wiki/Intergranular_corrosion

[xxxi] http://www.wpi.edu/News/Transformations/2002Spring/steel.html

[xxxii] FEMA 403-appendix C- S. C-13

[xxxiii] "No steel was recovered from WTC 7." http://wtc.nist.gov/NISTNCSTAR1-3.pdf

[xxxiv] Structural Engineers Association of New York (SEAoNY), "Summary of Identified WTC Steel Pieces at Salvage Yards as of March 15, 2002" , Nachdruck findet sich hier: http://911research.wtc7.net/mirrors/guardian2/wtc/WTC_apndxD_sheet.htm

[xxxv] FEMA WTC Study, Structural Steel and Steel connections, Appendix B, Seite B2, http://www.house.gov/science/hot/wtc/wtc-report/WTC_apndxB.pdf

[xxxvi] Zitiert nach "History CHannel", die Sendung läßt sich hier anschauen: http://www.911podcasts.com/display.php?vid=58

[xxxvii] William Langewiesche, "American Ground", S.9

[xxxviii] http://enr.construction.com/people/people/archives/020422a.asp

[xxxix] http://www.construction.com/NewsCenter/Headlines/ENR/20011001b.asp

[xl]http://web.archive.org/web/20060104010419/http://www.nydailynews.com/
12-05-2005/news/special/story/371650p-316202c.html

[xli]http://web.archive.org/web/20030402193247/http://www.latimes.com/news/
nationworld/nation/la-091601pentagon,0,2818328.story

http://www.msnbc.msn.com/id/3069699/

http://www.nfpa.org/assets/files/pdf/JournalWTCPentagon.pdf

[xlii] http://enr.construction.com/people/people/archives/020422a.asp

[xliii] Galnz and Lipton, "City in the Sky", S. 299

[xliv] HEARING BEFORE COMMITTEE ON SCIENCE - HOUSE OF REPRESENTATIVES, MARCH 6, 2002, Serial No. 107–46

[xlv]Siehe:http://en.wikipedia.org/wiki/Oklahoma_City_bombing#
Conspiracy_theories_involving_more_perpetrators

http://www.sydweedon.com/Resources/OKC.htm

[xlvi] Beispielsweise auf dem Lokalsender KYVTV Channel 9. Eine Zusammenstellung von Live-Berichten lässt sich hier anschauen:

http://video.google.de/videoplay?docid=6967199061399980366&q=oklahoma+bombing

[xlvii] http://www.whatreallyhappened.com/RANCHO/POLITICS/OK/bombs/bombs.html

[xlviii]http://web.archive.org/web/19990826061324/http://www.myplanet.net/
jeffhead/dadmisc/okcbomb.htm

[xlix] Der offizielle Bericht findet sich hier:

http://www.terrorisminfo.mipt.org/pdf/forensicengineering2.pdf

[l] Glanz und Lipton, "City in the Sky", S.299

[li] http://www.mindfully.org/Reform/2006/911-WTC-NIST-Lies30mar06.htm

[lii] http://en.wikipedia.org/wiki/Waco_Siege

[liii] http://www.fireboat.org/press/time_out_092701.asp

[liv] Zu den Sprinklern siehe NIST NCSTAR 1-9, S.76

[lv] NIST NCSTAR 1-8, S.110

[lvi] Eine gute Sicht auf die Südseite vermittelt z.B. dieses Video:

http://de.youtube.com/watch?v=PVahuOpOJYE

[lvii] http://wtc.nist.gov/pubs/factsheets/faqs.htm

[lviii] NIST NCSTAR 1-9, Vol.1 , S.222

Auch im 2004 veröffentlichten Bericht (Appendix L) heißt es, dass um 4.45 Uhr die Etage ausgebrannt war.

[lix] http://wtc.nist.gov/media/NCSTACMeetingMinutes121807.pdf

[lx] Siehe beispielsweise Grafik auf S.216 unter: http://www.terasrakenneyhdistys.fi/suunnittelijoille/
hitsatutprofiilit/HP5%20199-222%20A4.pdf

Sonntag, 31. August 2008

ARD Zensur - ARD-Interview mit Putin im Wortlaut



Zur Kenntnissnahme:

Art. 5 Absatz 1 Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland
Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.

Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

ARD-Interview mit Putin im Wortlaut

Die öffentlich-rechtliche ARD zensiert essentielle Aussagen des Ministerpräsidenten von Russland zum 5-Tage-Krieg im Kaukasus und kommt in den Ruch eines Staatsfernsehens

Berlin: Man muss es sich einmal vorstellen.. Da gibt der russische Ministerpräsident Wladimir Putin der ARD in der südrussischen Stadt Sotschi am Freitag dem 29. im Licht der Abendsonne ein Interview.

Später wird der ARD-Journalist Thomas Roth, der die Fragen an den russischen Ministerpräsidenten stellte, auf dem Blog der Tagesschau selbst aussagen, dass das Interview “rund eine Stunde dauerte”. Senden wird die ARD in Deutschland später nach den Tagesthemen um 23.30 Uhr volle 8 Minuten und 45 Sekunden (dokumentiert auf der Webseite der Tagesschau).

Hierzu muss ich persönlich anmerken, dass die Verabschiedung von Wladimir Putin (”vielen Dank für das Gespräch”) durch die ARD-Sendeleitung bereits abgeschnitten wurde und direkt nach dem letzten Satz des ehemaligen Präsidenten und jetzigen Ministerpräsidenten Russlands einfach die Einblendung der nächsten Sendung begann.

Eine Beleidigung.

Die Überspielung des Interviews nach Deutschland, das würde jeder vom Fach wissen, wäre ein wirklich schwere Angelegenheit gewesen, so Thomas Roth auf dem Tagesschau Blog. Zitat:

Selbst für solch einen Routinier keine ganz leichte Übung. Am Ende glauben wir, dass der journalistische Inhalt und die Aktualität in der Sache das hochspannende Manöver gerechtfertigt hat.

Wie gesagt: Manchmal ist ein journalistischer Tag richtig spannend und aufregend.

Nun, dann wollen wir mal dazu beitragen, dass es auch so bleibt. Auf dem Blog http://putin-ard.blogspot.com/ stellten jedenfalls findige Netzagenten das vollständige ARD-Interview mit Wladimir Putin ein. Ausführlich über die Manipulation der gekürzten Fassung durch die ARD berichtete dazu die Zeitung 0815-info.de.

Hier nun das ARD-Interview von Thomas Roth mit Wladimir Putin im Wortlaut. Die von der ARD zensierten Stellen sind kursiv dargestellt.

From Gedanken eine...


Interview

Thomas Roth: Herr Ministerpräsident, nach der Eskalation in Georgien sieht das Bild in der internationalen Öffentlichkeit so aus – damit meine ich Politik, aber auch Presse: Russland gegen den Rest der Welt. Warum haben Sie Ihr Land mit Gewalt in diese Situation getrieben?

Wladimir Putin: Was meinen Sie, wer hat den Krieg begonnen?

Thomas Roth: Der letzte Auslöser war der georgische Angriff auf Zchinwali.

Wladimir Putin: [Ich] Danke Ihnen für diese Antwort. So ist es auch, das ist die Wahrheit. Wir werden dieses Thema später ausführlicher erörtern. Ich möchte nur anmerken, dass wir diese Situation nicht herbeigeführt haben.


Wladimir Putin: Ich bin überzeugt, dass das Ansehen eines jeden Landes, das im Stande ist, das Leben und die Würde der Bürger zu verteidigen, eines Landes, das eine unabhängige Außenpolitik betreiben kann, dass das Ansehen eines solchen Landes mittel- oder langfristig steigen wird. Umgekehrt: Das Ansehen der Länder, die in der Regel die Interessen anderer Staaten bedienen, die die eigenen nationalen Interessen vernachlässigen – unabhängig davon, wie sie das auch erklären mögen –, wird sinken.

Roth: Sie haben die Frage trotzdem noch nicht beantwortet, warum Sie die Isolation ihres ganzen Landes riskiert haben…

Putin: Ich dachte, geantwortet zu haben, aber wenn sie zusätzliche Erklärungen brauchen, das mache ich. Unser Land, das die Würde und den Stolz unserer Bürger verteidigen kann, und die außenpolitischen Verpflichtungen im Rahmen der Friedensstiftung erfüllen kann, wird nicht in Isolation geraten, ungeachtet dessen was unsere Partner in Europa und USA im Rahmen ihres Blockdenkens sagen. Mit Europa und den USA endet die Welt nicht. Und im Gegenteil, ich möchte es nochmal betonen: Wenn Staaten ihre eigene nationale Interessen vernachlässigen, um außenpolitische Interessen anderer Staaten zu bedienen, dann wird die Autorität dieser Länder – unabhängig davon, wie sie das auch erklären mögen –, nach und nach sinken. D.h. wenn die europäischen Staaten die außenpolitischen Interessen der USA bedienen wollen, dann werden sie, aus meiner Sicht, nichts dabei gewinnen.Jetzt reden wir mal über unsere internationalen rechtlichen Verpflichtungen. Nach internationalen Verträgen haben die russischen Friedenstifter die Pflicht, die zivile Bevölkerung von Südossetien zu verteidigen. Und jetzt denken wir mal an 1995 (Bosnien). Und wie ich uns Sie gut wissen, haben sich die europäischen Friedensstifter, in dem Fall repräsentiert durch niederländische Streitkräfte, nicht in den Konflikt eingemischt und haben einer Seite damit erlaubt, einen ganzen Ort zu vernichten. Hunderte wurden getötet und verletzt. Das Problem und die Tragödie von Srebrenica ist in Europa sehr bekannt. Wollten Sie, dass wir auch so verfahren? Dass wir uns zurückgezogen hätten und den georgischen Streitkräften erlaubt hätten, die in Zchinwali lebende Bevölkerung zu vernichten?

Roth: Herr Ministerpräsident, Kritiker sagen, Ihr eigentliches Kriegsziel war gar nicht, nur die südossetische Bevölkerung – aus Ihrer Sicht – zu schützen, sondern zu versuchen, den georgischen Präsidenten aus dem Amt zu treiben, um den Beitritt Georgiens über kurz oder lang zur NATO zu verhindern. Ist das so?

Putin: Das stimmt nicht, das ist eine Verdrehung der Tatsachen, das ist eine Lüge. Wenn das unser Ziel gewesen wäre, hätten wir vielleicht den Konflikt begonnen. Aber, wie sie selbst sagten, das hat Georgien gemacht. Jetzt gestatte ich mir, an die Tatsachen zu erinnern. Nach der nicht legitimen Anerkennung des Kosovo haben alle erwartet, dass wir Südossetien und Abchasien anerkennen. Alle haben darauf gewartet und wir hatten ein moralisches Recht darauf. Wir haben uns mehr als zurückgehalten. Ich will das auch nicht kommentieren. Ja, mehr noch, wir haben das geschluckt. Und was haben wir bekommen? Eine Eskalation des Konfliktes. Überfall auf unsere Friedensstifter. Überfall und Vernichtung der friedlichen Bevölkerung in Südossetien. Das sind Tatsachen, die angesprochen wurden. Der französische Aussenminister war in Nordossetien und hat sich mit Flüchtlingen getroffen. Die Augenzeugen berichten, dass die georgischen Streitkräfte mit Panzern Frauen und Kinder überfahren haben, die Leute in die Häuser getrieben und lebendig verbrannt haben. Georgische Soldaten haben, als sie nach Zchinwali kamen, - so im vorbeigehen – Granaten in die Keller und Bunker geworfen, wo Frauen und Kinder sich versteckt hatten. Wie kann man so etwas anders nennen, als Genozid?Und jetzt zur Regierung in Georgien.Das sind die Menschen, die ihr Land in die Katastrophe getrieben haben, die georgische Führung hat das mit eigenen Aktionen gemacht. Die Staatlichkeit des eigenen Landes torpediert. Solche Menschen sollten keinen Staat führen, ob groß oder klein. Wären sie anständige Personen, sollten sie unbedingt zurücktreten.

Roth: Das ist jedoch nicht Ihre Entscheidung, sondern die der georgischen Regierung.

Putin: Natürlich, jedoch kennen wir auch Präzedenzfälle, die einen anderen Charakter haben. Ich erinnere nur die amerikanische Invasion des Iraks und was sie mit Saddam Hussein gemacht haben, weil dieser ein paar schiitische Dörfer vernichtet hatte. Und hier wurden in den ersten Stunden der Kampfhandlungen auf südossetischem Territorium 10 ossetische Dörfer vollständig vernichtet (ausradiert).

Roth: Herr Ministerpräsident, sehen Sie sich denn im Recht, in das Territorium eines souveränen Staates, nämlich Georgien, vorzudringen und dort Bombardierungen durchzuführen? Ich selbst sitze hier nur aus purem Zufall mit Ihnen, da buchstäblich einige Meter von mir eine Bombe explodiert ist, die aus Ihrem Flugzeug abgeworfen wurde. Gibt Ihnen das aus völkerrechtlicher Sicht das Recht…

Putin: Wir haben uns absolut im Rahmen des Völkerrechts bewegt. Wir haben den Angriff auf unsere Friedensstifter, auf unsere Bürger als ein Angriff auf Rußland aufgefasst. In den ersten Stunden der Kampfhandlungen töteten die georgischen Streitkräfte mehre Dutzend unserer Blauhelme. Haben unseren südlichen Posten, da war südlicher und nördlicher, mit Panzern eingekreist und direkt beschossen. Als unsere Blauhelmsoldaten die Technik aus einem Hangar holen wollten, wurde ein Schlag mit dem Artilleriesystem „Grad“ ausgeführt. 10 Leute, die in diesen Hangar reingingen, wurden auf der Stelle getötet (lebendig verbrannt). Danach hat die georgische Luftwaffe Luftschläge in verschiedenen Punkten in Südossetien durchgeführt. Nicht in Zchinwali, sondern inmitten von Südossetien. Und wir sahen uns gezwungen, die Verwaltungspunkte der georgischen Streitkräfte, die sich außerhalb der Konfliktzone befanden, unschädlich zu machen. Das waren solche Punkte, von wo die Artillerieschläge und die Luftangriffe auf russische Blauhelme koordiniert und ausgeführt wurden.

Roth: Ich hatte ja gesagt, dass auch die Bombardierung der Zivilbevölkerung stattgefunden hat. Sie haben womöglich nicht alle Informationen.

Putin: Ich verfüge möglicherweise nicht über alle Informationen. Im Zuge der Kampfhandlungen sind Fehler möglich. Jetzt gerade hat die amerikanische Luftwaffe in Afghanistan einen Schlag gegen die Taliban durchgeführt und hat fast 100 Leute aus der Zivilbevölkerung getötet. Das ist die erste Möglichkeit. Die zweite, die wahrscheinlicher ist: die Verwaltungspunkte der georgischen Artillerie, der Luftwaffe und Radarstationen wurden mutwillig mitten in den Wohngebieten platziert, damit die Wahrscheinlichkeit der Luftschläge gegen diese minimiert wird. Sie haben die Zivilbevölkerung und Sie als Geiseln benutzt.

Roth: das ist eine Mutmaßung.

Roth: Der französische Außenminister Kouchner hat viele Sorgen geäußert in den letzten Tagen, als Minister der Ratspräsidentschaft. Er hat auch die Sorge geäußert, dass der nächste Konfliktherd um die Ukraine beginnt, nämlich um die Krim, um die Stadt Sewastopol. Ist die Krim das nächste Ziel, der Sitz der Schwarzmeerflotte?

Putin: Sie sagten das nächste Ziel. Wir haben auch hier kein Ziel gehabt. Deshalb ist es nicht korrekt, so zu reden. Und, wenn Sie gestatten, dann bekommen Sie eine zufriedenstellende Antwort: Die Krim ist kein kritisches Territorium, da hat es keinen ethnischen Konflikt gegeben, im Unterschied zum Konflikt zwischen Südossetien und Georgien. Und Russland hat längst die Grenzen der heutigen Ukraine anerkannt. Im Grunde genommen haben wir die Grenzverhandlungen abgeschlossen. Da bleiben nur Demarkationsangelegenheiten, das ist eine technische Angelegenheit. Und eine solche Frage riecht nach Provokation. Da gibt es innerhalb der Krim komplizierte Prozesse, Krim-Tataren, ukrainische Bevölkerung, russische Bevölkerung, also slavische Bevölkerung. Das ist aber ein internes Problem der Ukraine. Es gibt einen Vertrag über die Flotte bis 2017.

Roth: Wo stehen wir? Ist es nur eine Eiszeit, ist es schon ein kalter Krieg, hat das Wettrüsten schon begonnen oder schließen sie alles aus?

Putin: Russland strebt keinerlei Verschiebungen an, keinerlei Spannungen. Obwohl auch das sein kann. Wir wollen gutnachbarschaftliche, partnerschaftliche Beziehungen unterhalten.Wenn Sie erlauben, dann sage ich, was ich darüber denke. Es gab die Sowjetunion und den Warschauerpakt. Und es gab die sowjetischen Streitkräfte in der DDR, und man muss es ehrlich zugestehen, das waren Okkupationskräfte, die nach dem Ende des zweiten Weltkriegs in Ostdeutschland geblieben sind unter dem Deckmantel der Koalitionsstreitkräfte. Nach dem Zerfall der Sowjetunion, des Warschauerpaktes sind diese Okkupationskräfte weg. Die Gefahr von Seiten der Sowjetunion ist weg. Die NATO aber, die amerikanischen Streitkräfte, in Europa sind immernoch da. Wofür?Um Ordnung und Disziplin in den eignen Reihen zu halten, um alle Koalitionspartner innerhalb eines Blocks zu halten, braucht man eine außenstehende Gefahr. Und Iran ist da nicht ganz passend für diese Rolle. Man will daher einen Gegner wiederauferstehen lassen und dieser soll Rußland sein. In Europa jedoch fürchtet uns niemand mehr.

Roth: Die Europäische Union in Brüssel wird über Russland reden. Es wird wohl auch über Sanktionen gegen Russland zumindest geredet werden, möglicherweise werden sie beschlossen. Macht Ihnen das irgend eine Art von Sorge oder ist Ihnen das egal, weil Sie sagen, die Europäer finden sowieso nicht zu einer Stimme?

Putin: Würde ich sagen, wir pfeifen drauf, es ist uns egal, würde ich lügen. Natürlich verfolgen wir alles sehr aufmerksam. Wir hoffen, dass der gesunde Menschenverstand triumphieren wird, und wir glauben, dass eine nicht politisierte, sondern objektive Einschätzung der Ereignisse gegeben wird. Wir hoffen auch, dass die Aktionen der russischen Friedensstifter unterstützt werden und die Aktionen der georgischen Seite, diese verbrecherische Aktion durchgeführt hatte, sanktioniert werden.

Roth: Herr Ministerpräsident, müssen Sie sich in Wirklichkeit nicht entscheiden? Sie wollen auf der einen Seite auf eine intensive Zusammenarbeit mit Europa nicht verzichten, Sie können es meines Erachtens wirtschaftlich auch gar nicht, andererseits wollen Sie trotzdem nach eigenen russischen Spielregeln spielen. Also auf der einen Seite ein Europa der gemeinsamen Werte, die Sie auch teilen müssen, andererseits spielen Sie nach russischen Spielregeln. Beides zusammen geht aber nicht…

Putin: Wir wollen nicht nach irgendwelchen besonderen Spielregeln spielen. Wir wollen, dass alle nach einheitlichen völkerrechtlichen Regeln vorgehen. Wir wollen nicht, dass diese Begriffe manipuliert werden, in einer Region die Regeln, in einer anderen die Regeln. Wir wollen einheitliche Regeln. Einheitliche Regeln, die die Interessen aller Teilnehmer berücksichtigen.

Roth: Wollen Sie damit sagen, dass die EU je nach Region nach unterschiedlichen Regeln handelt, die nicht dem Völkerrecht entsprechen?

Putin: Absolut. Wie hat man Kosovo anerkannt? Man vergaß die territoriale Souverenität der Staaten, die UN-Resolution 1244, die sie selbst beschlossen haben. Dort durfte man das und in Abchasien und Südossetioen nicht. Warum?

Roth: D.h. Rußland ist einzig und allein fähig die Regeln des internationalen Völkerrechts zu bestimmen. Alle anderen manipulieren, machen es wie sie wollen? Hab ich Sie richtig verstanden?

Putin: Sie haben mich falsch verstanden. Haben Sie die Unabhängigkeit Kosovos anerkannt? Ja oder Nein?

Roth: Ich selbst nicht, ich bin Journalist.

Putin: Die westlichen Länder. Im Grunde haben es alle anerkannt. Nur, wenn man es dort anerkennt, dann muss man auch die Unabhängigkeit von Abchasien und Südossetien anerkennen. Es gibt überhaupt keinen Unterschied. Der Unterschied ist ausgedacht. Dort gab es ethnische Spannungen und hier gibt es ethnische Spannungen. Dort gab es Verbrechen – praktisch von beiden Seiten-, und hier kann man die wahrscheinlich finden. Wenn man etwas „gräbt“, dann kann man die bestimmt finden. Dort gab es die Entscheidung, dass beide Völker nicht mehr zusammen in einem Staat leben können, und hier wollen sie es auch nicht. Es gibt keinen Unterschied und alle verstehen es in Wirklichkeit. Das alles ist nur Gerede, um rechtwidrige Schritte zu decken. Das nennt man, das Recht des Stärkeren. Und damit kann sich Rußland nicht abfinden.Herr Roth, Sie leben schon lange in Rußland, sie sprechen hervorragend, fast ohne Akzent, russisch. Dass Sie mich verstanden haben, wundert mich nicht. Das ist mir sehr angenehm, jedoch möchte ich auch sehr, dass mich meine europäischen Kollegen verstehen, die sich am 1. September treffen und über diesen Konflikt beraten werden.Wurde die Resolution 1244 angenommen? Ja! Dort wurde unterstrichen geschrieben: territoriale Souverenität Serbiens! Die Resolution haben die in den Müll weggeworfen. Alles vergessen. Sie wollten die Resolution zuerst umdeuten, anders interpretieren, aber es ging nicht. Alles vergessen. Warum? Das Weißen Haus ordnete an, und alle führen aus! Wenn die europäischen Länder auch weiterhin eine solche Politik führen, dann werden wir über europäische Angelegenheiten in Zukunft mit Washington reden müssen.

Roth: Wo sehen Sie die Aufgabe von Deutschland in dieser Krise?

Putin: Wir haben zu Deutschland sehr gute Beziehungen, vertrauensvolle Beziehungen, sowohl politische als auch ökonomische. Als wir mit Herrn Sarkozy gesprochen haben, bei seinem Besuch hier, haben wir gesagt, dass wir keinerlei Territorien in Georgien wollen. Wir werden uns in die Sicherheitszone zurückziehen, die in den früheren internationalen Abkommen vereinbart wurde. Aber da werden wir auch nicht ewig bleiben. Wir betrachten das als georgisches Territorium. Unsere Absicht besteht nur darin, die Sicherheit zu gewährleisten und es nicht so zu machen, dass da Truppen und Kriegsgerät heimlich geballt werden. Und zu verhindern, dass da die Möglichkeit eines neuen Konfliktes entsteht. Dann begrüßen wir die Teilnahme von Beobachtern der EU, der OSZE und natürlich auch Deutschlands. Wenn die Prinzipien der Zusammenarbeit geklärt sind.

Roth: D.h. Sie werden ihre Truppen auf jeden Fall zurückziehen.

Putin: Natürlich. Es ist für uns als erstes wichtig, die Sicherheit in der Region sicherzustellen. Als nächstes Südossetien zu helfen, die eigenen Grenzen zu sichern. Danach haben wir keine Gründe mehr uns dort aufhalten zu müssen. Und währen dieser Arbeit würden wir die Kooperation mit der EU, OSZE nur begrüßen.


Roth: Was können Sie unter der Berücksichtigung der Umstände, in dem sich diese Krise befindet, der Beziehungen zur USA und Europa, zur Eskalation dieser Krise beitragen?

Putin: Als erstes, das habe ich bereits gestern Ihren CNN-Kollegen gesagt, dass diese Krise unter anderem von unseren amerikanischen Freunden, im Zuge des Vorwahlkampfes provoziert wurde. Das schließt auch die Nutzung der administrativen Ressourcen in einer sehr bedauernswerten Ausführung ein, um einem der Kandidaten eine Mehrheit sicherzustellen. In dem Fall, dem der Regierungspartei.

Roth: Das glauben Sie wirklich? [auf russisch]: Das ist kein Fakt

Putin: [auf deutsch]: Das ist kein Fakt. [weiter auf russisch] Wir wissen, dass es dort viele amerikanische Berater gegeben hat. Das ist sehr schlecht, wenn man eine Seite des ethnischen Konflikts zuerst aufrüstet und sie dann dazu drängt, die Lösung des ethnischen Problems auf militärischem Wege zu suchen. Das scheint auf den ersten Blick einfacher zu sein, als mehrjährige Verhandlungen zu führen, Kompromisse zu suchen. Das ist jedoch ein sehr gefährlicher Weg. Und die Entwicklung der Ereignisse hat es gezeigt.Instruktoren, Lehrer im weiten Sinne, Personal, welches die Nutzung der gelieferten Technik zeigt, sie alle müssen sich wo befinden? Auf Übungsanlagen und in den Übungszentren. Und wo waren diese Leute? In der Kampfzone! Und das drängt den Gedanken auf, dass die amerikanische Führung über die vorbereitete Aktion gewusst und mehr noch an dieser teilgenommen hat. Ohne einen Befehl der obersten Führung dürfen sich amerikanische Bürger nicht in der Konfliktzone aufhalten. In der Sicherheitszone durften sich lediglich die zivile Bevölkerung, Beobachter der OSZE und die Blauhelme. Wir jedoch haben da Spuren von amerikanischen Staatsangehörigen gefunden, die keiner dieser Gruppen angehören. Das ist die Frage: wieso hat die Führung der USA es erlaubt, sich ihren Bürgern dort aufzuhalten, die dort kein Recht dazu hatten?Und wenn sie es erlaubt haben, dann hab ich die Vermutung, dass es mutwillig passiert ist, um einen kleinen, siegreichen Krieg zu organisieren. Und falls das schiefläuft, Rußland in die Rolle des Gegners zu drängen, um daraufhin das Wahlvolk hinter einem der Präsidentschaftskandidaten zu vereinigen. Natürlich dem der Regierungspartei, da nur diese über eine solchen Ressource verfügen kann. Das sind meine Ausführungen und Vermutungen. Es ist Ihre Sache, ob Sie mir zustimmen oder nicht. Aber sie haben das Recht zu existieren, da wir Spuren von amerikanischen Staatsangehörigen in der Kampfzone gefunden haben.

Roth: Und eine letzte Frage, die mich sehr interessiert. Denken Sie nicht, dass Sie sich in der Falle Ihres eigenen autoritären Systems befinden? Sie kriegen Informationen von Ihren Geheimdiensten und anderen Quellen, jedoch haben die Medien Angst etwas zu berichten, was nicht mit der Linie der Regierung übereinstimmt. Ist es nicht so, dass das von Ihnen geschaffene System, Ihnen die Möglichkeit eines breiten Sichtfeldes auf diesen Konflikt nimmt, auf die Geschehnisse in Europa und anderen Ländern?

Putin: Sehr geehrter Herr Roth, Sie haben unser politisches System als autoritär bezeichnet. Sie haben in unserer heutigen Diskussion auch mehrfach über unsere gemeinsamen Werte gesprochen. Woraus bestehen diese? Es gibt einige grundliegende Werte, wie das Recht zu leben. In USA z.B. gibtes immernoch die Todesstrafe, in Rußland und Europa gibt es die nicht. Heißt das denn, dass Sie aus dem NATO-Block austreten wollen, weil es keine vollständige Übereinstimmung der Werte zwischen den Europäern und Amerikanern gibt?Jetzt zum Konflikt, über den wir heute sprechen. Wissen Sie denn nicht, was sich in Georgien die letzten Jahre abgespielt hat? Rätselhafter Tot des Ministerpräsidenten Shwania, Niederschlagung der Opposition, physische Zerschlagung von Protestmärschen der Oppositionellen, Durchführung der Wahlen während eines Ausnahmezustands und jetzt diese verbrecherische Aktion in Ossetien mit vielen Toten. Und da ist natürlich ein demokratisches Land, mit der ein Dialog über die Aufnahme in die NATO oder gar EU geführt werden muss. Und wenn ein anderes Land seine Interessen verteidigt, das Recht seiner Bürger auf Leben verteidigt, 80 unserer Leute wurden sofort getötet, 2000 aus der zivilen Bevölkerung wurden getötet und wir dürfen unsere Bürger dort nicht schützen? Und wenn wir das machen, dann nimmt man uns die Wurst weg? Wir haben die Wahl Wurst oder Leben. Wir wählen das Leben, Herr Roth.Jetzt über den anderen Wert: Pressefreiheit. Sehen Sie nur wie diese Ereignisse in der amerikanischen Presse beleuchtet werden, die als leuchtendes Beispiel der Demokratie gilt. Und in der europäischen ist es ähnlich. Ich war in Peking, als die Ereignisse anfingen. Massierter Beschuß von Zchinwali, Anfang des Vorstoßes der georgischen Truppen, es gab sogar bereits vielfache Opfer, es hat keiner ein Wort gesagt. Auch Ihre Anstalt hat geschwiegen, alle amerikanischen Anstalten. So als ob gar nichts passiert. Erst als der Agressor „in die Fresse“ bekam, “Zähne rausgeschlagen” bekommen hat, als er seine ganze amerikanische Ausrüstung aufgegeben und ohne Rücksicht gerannt ist, haben sich alle erinnert. An das internationale Völkerrecht, an das böse Rußland. Da waren alle wieder auf der Stelle. Wieso eine solche Willkür [in der Berichterstattung]?Nun zur „Wurst“: Wirtschaft. Wir wollen normale, wirtschaftliche Beziehungen zu allen unseren Partnern. Wir sind ein sehr zuverlässiger Partner, wir haben noch nie einen Partner betrogen. Als wir Anfang der 60er die Pipeline in die BRD gebaut haben, hat unser transatlantischer Partner den Deutschen geraten, diesem Projekt nicht zuzustimmen. Sie müssen das ja wissen. Damals hat die Führung Deutschlands die richtige Entscheidung getroffen und die Pipeline wurde zusammen mit der Sowjetunion gebaut. Heute ist eine der zuverlässigsten Gas-Quellen für die deutsche Wirtschaft. 40 Mrd. m³ bekommt Deutschland jedes Jahr. Und wird es auch weiterhin, das garantiere ich. Sehen wir uns das globaler an. Wie ist die Struktur unseres Exports in die europäischen Länder und auch in die USA? 80 % davon sind Rohstoffe (Öl, Gas, Ölchemie, Holz, Metalle). Das alles ist von der europäischen und Weltwirtschaft in höchsem Maße gefragt. Das sind sehr gefragte Produkte auf dem Weltmarkt. Wir haben auch die Möglichkeiten in hochtechnologischen Gebieten, die sind jedoch sehr begrenzt. Mehr noch, trotz rechtsgültiger Abkommen mit der EU beispielsweise über atomaren Brennstoff, werden wir rechtswidrig vom europäischen Markt ferngehalten. Wegen der Position unserer französischen Freunde. Aber sie wissen davon, wir haben mit denen lange diskutiert. Und wenn jemand diese Beziehungen aufgeben will, dann können wir nichts dagegen machen. Wir wollen das jedoch nicht. Wir hoffen sehr, dass unsere Partner ihre Pflichten genauso erfüllen, wie wir unsere.Das war über unseren Export. Was Euren Export, also unseren Import, angeht, so ist Rußland ein sehr zuverlässiger und großer Markt. Ich erinnere mich jetzt nicht an genaue Zahlen, Import der Maschinenbautechnologie aus Deutschland wächst von Jahr zu Jahr. Dieser ist sehr groß heutzutage. Und wenn jemand uns nicht mehr beliefern will, dann werden wir das wo anders kaufen. Nur wer braucht das, verstehe ich nicht?Wir drängen auf eine objektive Analyse der Geschehnisse und wir hoffen, dass gesunder Menschenverstand und die Gerechtigkeit siegen werden. Wir sind das Opfer der Aggression und wir hoffen auf die Unterstüzung unserer europäischen Partner.

Hier zum Vergleich die von der ARD zusammengekürzte schriftliche Fassung des Interviews.

Quelle:
http://www.radio-utopie.de/2008/08/31/ard-interview-mit-putin-im-wortlaut/

Donnerstag, 21. August 2008

Medien - Die Kunst der Propaganda

From Gedanken eine...


Medien - Die Kunst des Krieges

From Gedanken eine...


Kaukasus-Krieg: “Reuters”-Fotos von angeblichen Opfern russischer Bombardements in Gori, Georgien, wurden von Schauspielern inszeniert.

Gori, Georgien: Videos und Fotos auf youtube bringen die Nachrichtenagentur “Reuters” sowie ihre “Kunden” der Konzern- und Staatsmedien in arge Erklärungsnot.
Angebliche Tote, schröcklich erschütterte Schauspieler, eine unsichtbare Regie auf georgischer Seite, sie bildeten ein ganz normales Foto-Shooting, auf der eine inszenierte Darstellung von angeblichen Opfern russischer Bombenangriffe auf Gori als mitleiderregende Pressefotos von georgischem Leid um die Welt gingen.
Nun stellt sich heraus: sie wurden durch Kriegskünstler gefälscht.

Wie man auf den Fotos sehen kann, hat sich von einem Foto zum anderen nicht nur die berufsbedingt exhibitionistische “Leiche” bewegt. Auf einem Foto ist sie überhaupt nicht zu sehen, während irgendeine namenlose Regieassistenz (wie immer und überall) ungeduldig auf das Erscheinen der Hauptrolle wartet, die sich natürlich verspätet hat.

Schliesslich trottet sie heran, hinter ihr ein paar tumbe Waffenträger, die wie überall keine Ahnung haben wohin sie eigentlich rennen, warum sie das tun, wer da eigentlich das Kommando hat und wo oben, Norden und unten im Universum ist.




Quelle:

http://www.radio-utopie.de/2008/08/21/die-kunst-des-krieges/#more-1640